Elfjährige am helllichten Tag vergewaltigt: Angeklagter soll Opfer bewusst ausgesucht haben

München - Es ist ein Szenario wie aus einem Horrorfilm: Ein mit einer Wolfsmaske getarnter Mann zerrt am helllichten Tag in München ein Mädchen in ein Gebüsch und vergewaltigt es.

Eine Polizistin sucht mit Hilfe eines Suchhundes am Rande eines Waldstückes nach Hinweisen nach der Tat. (Archiv)
Eine Polizistin sucht mit Hilfe eines Suchhundes am Rande eines Waldstückes nach Hinweisen nach der Tat. (Archiv)  © Lino Mirgeler/dpa

Nach dem schockierenden Vorfall im Sommer 2019 beginnt nun am Mittwoch vor dem Landgericht München I der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter.

Er hat die Vorwürfe nach Angaben seines Anwalts bereits detailliert gestanden.

Der Fall wirft auch die Frage nach der Resozialisierung von Sexualstraftätern auf, denn der Mann befand sich in einer Lockerungsstufe des Maßregelvollzugs. Er war bereits mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in mehr als einem Dutzend Fällen.

Er soll das damals elf Jahre alte Mädchen an einem Dienstagnachmittag gegen 16.30 Uhr im Münchner Stadtteil Obergiesing missbraucht haben (TAG24 berichtete).

Überführt wurde der Angeklagte damals durch einen Treffer in der DNA-Datenbank.

Angeklagter lebte in einer therapeutischen Wohngemeinschaft

Auf einem Bildschirm im Polizeipräsidium präsentierte die Polizei ein Vergleichsbild einer Wolfsmaske (gestellte Szene). (Archiv)
Auf einem Bildschirm im Polizeipräsidium präsentierte die Polizei ein Vergleichsbild einer Wolfsmaske (gestellte Szene). (Archiv)  © DPA

Die Wolfsmaske fanden die Ermittler später in einem Abfallcontainer in der Nähe seines Wohnortes. Der Angeklagte hatte ihnen gesagt, wo sie suchen müssen.

Der Mann kam nach der Tat in die geschlossene Abteilung einer psychiatrischen Klinik. Schon zuvor war er für einige Jahre in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

Vor der Tat lebte er in einer therapeutischen Wohngemeinschaft. Das sogenannte Probewohnen war eine Lockerungsstufe im Maßregelvollzug.

Ende 2019 befanden sich nach den aktuellsten Daten des bayerischen Sozialministeriums 2884 Menschen im Freistaat im Maßregelvollzug. Im Jahr davor waren es 2772, Ende 2017 waren es 2489.

Wer wegen einer psychischen Erkrankung untergebracht wurde, verbrachte 2019 im Schnitt 5,42 Jahre in der Psychiatrie, Suchtkranke blieben dort durchschnittlich 1,42 Jahre.

Der Maßregelvollzug ist nach dem Strafgesetzbuch die freiheitsentziehende Unterbringung von psychisch kranken oder suchtkranken Straftätern.

Update, 11.42 Uhr: Mann mit Wolfsmaske soll Opfer gezielt ausgesucht haben

Der wegen schweren sexuellen Missbrauchs angeklagte Mann (M) steht vor Prozessbeginn im Landgericht neben seinem Anwalt Adam Ahmed (r) im Verhandlungssaal.
Der wegen schweren sexuellen Missbrauchs angeklagte Mann (M) steht vor Prozessbeginn im Landgericht neben seinem Anwalt Adam Ahmed (r) im Verhandlungssaal.  © Sven Hoppe/dpa

Wie es in der zu Prozessbeginn am Dienstag vor dem Landgericht München I verlesenen Anklage heißt, soll er das damals elf Jahre alte Kind schon vor der Tat im Juni 2019 in der S-Bahn beobachtet und fotografiert haben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er an jenem Tag mit dem Vorsatz losfuhr, das Mädchen zu missbrauchen und dass er zu diesem Zweck auch die Wolfsmaske dabei hatte.

Der Anwalt des heute 45-jährigen Mannes räumte ein, dass sein Mandant das Mädchen im Vorfeld beobachtet und fotografiert hatte, bestritt aber den Vorsatz zur Tat. Der Entschluss, das Kind zu vergewaltigen, sei spontan gefallen. "Es gab so ein gewisses Hin- und Her: Soll ich? Soll ich nicht?"

Ansonsten räumte der Angeklagte die Vorwürfe über seinen Anwalt weitgehend ein. "Mit einer Entschuldigung lässt sich das Geschehene nicht wieder gutmachen. Er möchte aber, soweit das möglich ist, aufrichtig um Verzeihung bitten."

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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