Schlappe für Käpt'n Iglo vor Gericht! Appel-Figur ist kein Seemann

München - In dem Prozess um eine der bekanntesten Werbefiguren Deutschlands will das Landgericht München am Donnerstag (9.30 Uhr) ein Urteil fällen.

Ein Fischstäbchen in einer Pfanne. (Symbolbild)
Ein Fischstäbchen in einer Pfanne. (Symbolbild)  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Fischstäbchenhersteller Iglo will seinem Konkurrenten Appel Feinkost verbieten, mit einer ähnlichen Werbefigur im Seemanns-Look Werbung zu machen.

Appel Feinkost wirbt unter dem Motto "küstlich fein" mit einem wettergegerbten Herrn, der wie Käpt'n Iglo Bart und Seemannsmütze trägt.

Appel Feinkost verkauft ebenso wie Iglo tiefgekühlte Fischprodukte. Das Unternehmen gehört zum Lebensmittelkonzern Heristo und wollte sich nicht zu dem Prozess äußern.

Laut dem Landgericht argumentiert Iglo, die Verbraucher könnten die beiden Werbefiguren verwechseln.

Iglo wirft Appel Feinkost deswegen unlauteren Wettbewerb vor.

Iglo betonte, dass das Unternehmen zuerst eine außergerichtliche Einigung angestrebt habe. Käpt'n Iglo habe bei den Deutschen eine Bekanntheit von über 80 Prozent, hieß es in der Stellungnahme. Iglo könne die von Appel Feinkost vertretene Position, "dass es sich nicht um eine Nachahmung unter Ausnutzung der Bekanntheit und des Markterfolgs der Werbefigur und -konzeption des 'Käpt‘n Iglo' handelt, nicht nachvollziehen oder akzeptieren".

Unklar war zunächst, warum der Streit um den Käpt'n fern der Nordseeküste in Bayern ausgefochten wird: Iglo sitzt in Hamburg, Appel Feinkost in Cuxhaven.

Update, 10.56 Uhr: Iglo scheitert vor Gericht

Käpt'n Iglo ist einer der bekanntesten Werbefiguren Deutschlands.
Käpt'n Iglo ist einer der bekanntesten Werbefiguren Deutschlands.  © obs/Iglo Deutschland/dpa

Bart und Mütze sind keine Exklusivmerkmale von Käpt'n Iglo: Der Hamburger Tiefkühlkosthersteller Iglo ist vor Gericht mit dem Versuch gescheitert, dem Cuxhavener Konkurrenten Appel Feinkost eine ähnliche Werbefigur verbieten zu lassen.

Das Münchner Landgericht wies die Iglo-Klage am Donnerstag ab. Iglo hatte Appel Feinkost vorgeworfen, die Verbraucher wegen Verwechslungsgefahr beider Figuren in die Irre zu führen. Dem folgten die Richter nicht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Denn laut Urteil hat Appel Feinkost Käpt'n Iglo nicht kopiert, auch wenn es sich bei beiden Werbefiguren um ältere Herren mit Bart handele, die Mützen tragen. Die Richter wiesen auf die Unterschiede hin: Die Mützen sind unterschiedlich - in einem Fall eine Kapitänsmütze, im anderen eine Elblotsenmütze.

Die Appel-Figur trägt demnach auf den meisten Bildern keinen blauen Anzug wie Käpt'n Iglo, sondern einen grauen Anzug, wie das Gericht nach der Urteilsverkündung mitteilte. Und anders als Käpt'n Iglo trägt die Appel-Figur laut Gericht auch keinen weißen Rollkragenpullover und kein weißes T-Shirt, "sondern eine karierte Weste mit Krawatte sowie einen Seidenschal".

Die Appel-Figur ist demnach kein Seemann, sondern ein "gut situierter Herr in einem eleganten Dreiteiler". Dementsprechend sehen die Richter keine Verwechslungsgefahr und damit auch keine Irreführung der Käufer tiefgekühlter Fischprodukte.

Update, 14.42 Uhr: Deswegen klagte Iglo fernab der Nordseeküste

Laut Urteil hat Iglo auch keine Exklusivansprüche auf die maritime Kulisse: "Die Beklagte bewirbt Fischprodukte" heißt es im Urteil. "Es ist naheliegend, solche im werblichen Zusammenhang mit Küste und Meer abzubilden."

Der Rechtsstreit wurde fernab der Nordseeküste in Bayern ausgetragen, obwohl Iglo auch ein norddeutsches Gericht hätte anrufen können. Die Zivilprozessordnung lässt die Möglichkeit, bei unerlaubten Handlungen überall dort zu klagen, wo der Schaden eingetreten ist. Bei bundesweit verkauften Produkten herrscht also faktisch freie Wahl beim Gericht.

Das Münchner Landgericht ist nach Berlin das zweitgrößte in Deutschland und ein bekannter Gerichtsstandort für das Wettbewerbsrecht: Neun Zivilkammern befassen sich mit entsprechenden Klagen.

Auch Käpt'n Iglo ist kein Norddeutscher: Seit 2018 wirbt der italienische Schauspieler Riccardo Acerbi für Fischstäbchen, Backfisch, Schlemmerfilet und weitere Iglo-Produkte.

Iglo hat nun noch die Möglichkeit, Berufung einzulegen, nächste Instanz wäre das Münchner Oberlandesgericht.

Titelfoto: obs/Iglo Deutschland/dpa/Karl-Josef Hildenbrand/dpa (Bildmontage)

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse München:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0