Polizist missbrauchte über Jahre Kinder und Jugendliche: Urteil gefallen!

München - Im Prozess um den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch einen Polizisten soll am Freitag (9.15 Uhr) ein Urteil fallen. Zunächst werden vor dem Landgericht München II in nicht-öffentlicher Sitzung die Plädoyers von Staatsanwaltschaft sowie Nebenklage und Verteidigung erwartet.

Der Angeklagte (r.) hat seine Taten bereits gestanden und einen Dealt ausgehandelt.
Der Angeklagte (r.) hat seine Taten bereits gestanden und einen Dealt ausgehandelt.  © Sven Hoppe/dpa

Dem 60 Jahre alten Polizisten aus dem Landkreis Starnberg wird vorgeworfen, über Jahre Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Zudem soll er jugend- und kinderpornografisches Material besessen haben. 

Da der Mann zu Prozessbeginn ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte, kam ein Deal zustande (TAG24 berichtete). Die Prozessbeteiligten einigten sich auf einen Strafrahmen zwischen vier Jahren und drei Monaten und fünf Jahren und drei Monaten.

Am Vortag schilderte ein LKA-Beamter, wie die Polizei dem Angeklagten auf die Spur kam. Zudem äußerten sich Gutachter zum psychischen Zustand und der Schuldfähigkeit des Mannes.

Im Anschluss an ein Praktikum eines Jugendlichen bei der Polizei im Jahr 2017 soll der Angeklagte dem Jungen über lange Zeit pornografische Bilder und Videos geschickt haben. Als der Junge 2019 schließlich zur Polizei geht, gesteht der Mann mehrere weitere Taten - darunter auch sexuellen Missbrauch in mehreren Fällen. So schilderte es der Ermittler des LKA vor Gericht.

Doch viele Erkenntnisse ergaben sich erst aus zahlreichen sichergestellten Datenträgern des Deutschen. In den Aussagen des Angeklagten habe zudem immer ein "Hauch der Bagatellisierung" mitgeschwungen, so der LKA-Beamte.

Opfer belastet der sexuelle Missbrauch bis heute

Der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen sowie sexueller Nötigung angeklagte Mann (r) sitzt vor Prozessbeginn im Landgericht. (Archiv)
Der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen sowie sexueller Nötigung angeklagte Mann (r) sitzt vor Prozessbeginn im Landgericht. (Archiv)  © Sven Hoppe/dpa

Die mutmaßlichen Opfer hätten bei dem 60-Jährigen einen väterlichen Bezug gesucht. Mehrere der Jungen hat er über seine Tätigkeit im Jugendbereich der Freiwilligen Feuerwehr kennengelernt. Die Opfer belasteten die Taten bis heute, schilderte der Ermittler seinen Eindruck aus den Vernehmungen.

Drei der mutmaßlichen Opfer treten als Nebenkläger auf. Sie ließen durch ihren Anwalt ein Schreiben verlesen, in dem sie auf das Angebot des Angeklagten eingehen, sich bei ihnen zu entschuldigen und Geld an sie zu zahlen. 

Einer der jungen Männer lehnte das Geld ab. Sie alle machten deutlich, dass auch mit der Entschuldigung kein Verzeihen möglich sei. Das Ausmaß des Missbrauchs war ihnen offenbar nicht bewusst. "Wenn ich über andere Taten früher gewusst hätte, wäre ich früher zur Polizei gegangen", ließ einer der jungen Männer über seinen Anwalt verlesen.

Der Angeklagte saß während der Verhandlung meist teilnahmslos und das Gesicht in die Hände gestützt da. Eine Psychologin attestierte dem 60-Jährigen auch mit Blick auf seine Schuldfähigkeit eine überdurchschnittliche Intelligenz. 

Die Frage, ob der Mann pädophil sei, verneinte ein vom Gericht bestellter Psychiater. Auch wenn Bild- und Videomaterial mit Kinderpornografie bei ihm gefunden worden sei, zeige der Angeklagte nur Zuneigung zu Jugendlichen mit Einsetzen der Pubertät.

Update 12.17 Uhr: Fast fünf Jahre Haft gefordert

Im Prozess um den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch einen Polizisten hat die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten gefordert. 

Die Verteidiger des Mannes plädierten vor dem Landgericht München II am Freitag für eine Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten. Sie verwiesen darauf, dass der Angeklagte Reue für seine Taten gezeigt habe und mit einem Täter-Opfer-Ausgleich Geld an drei der mutmaßlichen Opfer zahlen würde. 

Zudem gingen sie auf die "besondere Härte der U-Haft als Polizist" ein.

Update 15.18 Uhr: Polizist zu vier Jahren und vier Monaten verurteilt

Ein Polizist aus dem Landkreis Starnberg ist wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen zu einer Haftstrafe von vier Jahren und vier Monaten verurteilt worden. 

Die Vorsitzende Richterin am Landgericht München II sah es am Freitag als erwiesen an, dass der 60 Jahre alte Deutsche im Zeitraum von 2000 bis 2019 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht und pornografische Bilder an Jungen geschickt hatte. Sie wies darauf hin, dass sie den Angeklagten nicht für pädophil halte. 

Seine Neigung gelte nur Jungen ab der Pubertät, wie ein Gutachter im Prozess dargelegt hatte.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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