Mord im Altenheim: Demenzkranke vergewaltigt und zu Tode geprügelt

München - Am Landgericht München II beginnt am heutigen Dienstag (9.30 Uhr) der Prozess gegen einen Alzheimer-Patienten, der eine Mitbewohnerin in einem Altenheim vergewaltigt und ermordet haben soll.

Das 88-jährige Opfer litt ebenfalls an Demenz. (Symbolbild)
Das 88-jährige Opfer litt ebenfalls an Demenz. (Symbolbild)  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 88 Jahre alten Angeklagten vor, brutal über eine ebenfalls an einer Demenz erkrankten Mitbewohnerin in einem Heim im Landkreis Miesbach hergefallen zu sein.

Er soll die bettlägerige Frau in ihrem Zimmer vergewaltigt und so heftig verprügelt haben, dass sie später im Krankenhaus an einer Lungenentzündung starb - ausgelöst durch eingeatmetes Blut.

Der Mann soll ihr auch mehrere Rippen gebrochen haben.

Als junger Mann soll der Deutsche ein guter Boxer gewesen sein und Meisterschaften gewonnen haben. Das sei möglicherweise eine Erklärung dafür, "wie es trotz seines Alters zu diesen Schäden kam", sagt ein Gutachter.

Der 88-Jährige gilt wegen seiner Erkrankung als schuldunfähig. Ihm droht im Falle einer Verurteilung keine Haftstrafe, aber die dauerhafte Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie.

"Alles voller Blut": Schuldunfähiger Angeklagter muss nicht mehr an der Hauptverhandlung teilnehmen

Der 88 Jahre alte Angeklagte sitzt vor Prozessbeginn im Gerichtssaal. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, brutal über eine ebenfalls demente Mitbewohnerin in einem Seniorenheim im Landkreis Miesbach hergefallen zu sein.
Der 88 Jahre alte Angeklagte sitzt vor Prozessbeginn im Gerichtssaal. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, brutal über eine ebenfalls demente Mitbewohnerin in einem Seniorenheim im Landkreis Miesbach hergefallen zu sein.  © Britta Schultejans/dpa

Zu Prozessbeginn am Landgericht München II beruft er sich über seinen Verteidiger auf fehlende Erinnerung.

"Er weiß nichts, er hat keine Erinnerungen an irgendwas", sagt der Anwalt. Der alte Mann wird daraufhin von der Pflicht entbunden, an der Hauptverhandlung gegen ihn teilzunehmen - auch aus Gründen der "Verfahrensökonomie", wie der Vorsitzende Richter sagt.

Der Altenpfleger sagt, nichts habe zuvor darauf hingewiesen, dass der Mann zu einer solchen Tat fähig sein konnte. "Total unauffällig" sei er gewesen und habe immer Rechnungen bezahlen wollen, weil er den Pflegern nichts schuldig bleiben wolle. "Ganz unauffällig und lieb."

Der Prozess hatte auch Patientenschützer auf den Plan gerufen. "Sexualität in Pflegeeinrichtungen ist noch immer ein Tabu-Thema. Übergriffe unter Pflegeheimbewohnern kommen häufiger vor als gedacht und geschehen selten unbemerkt", sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

Er forderte "eine Kultur des Hinschauens" - vor allem weil Betroffene, sofern sie überhaupt noch in der Lage sind, sich zu äußern, aus Scham oft schweigen.

Titelfoto: Britta Schultejans/dpa

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