Mord, Terror und Millionenbetrug: Diese großen Prozesse ziehen sich ins neue Jahr

München - Die Gerichte in Bayern befassen sich Jahr für Jahr mit Hunderttausenden Verfahren. Die wenigsten davon sind von großer öffentlicher Relevanz. Doch einige Fälle haben im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt - und manche davon gehen im neuen Jahr weiter.

Rupert Stadler (57), ehemalige Vorstandsvorsitzender der Audi AG, sitzt im Gerichtssaal im Landgericht München.
Rupert Stadler (57), ehemalige Vorstandsvorsitzender der Audi AG, sitzt im Gerichtssaal im Landgericht München.  © Matthias Schrader/Pool AP/dpa

Der Prozess gegen Ex-Audi-Chef Robert Stadler und drei weitere ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens wird sich nicht nur bis 2021, sondern darüber hinaus ziehen.

Bisher sind Verhandlungstage bis zum 20. Dezember 2022 angesetzt. Den Angeklagten wird unter anderem Hunderttausendfacher Betrug im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal vorgeworfen. Teilweise sind sie geständig, teilweise weisen sie – wie Stadler – die Vorwürfe zurück. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende ist zwar der prominenteste Angeklagte im Verfahren, allerdings auch derjenige, dem am wenigsten vorgeworfen wird.

Zudem hat das Gericht bereits klargestellt, dass bei ihm wohl nur Taten durch Unterlassen infrage kommen, was im Falle einer Verurteilung voraussichtlich zu einer geringeren Strafe führen würde.

Mit dem Antrag, sein Verfahren wegen der abweichenden Vorwürfe abzutrennen, sind Stadlers Verteidiger allerdings gescheitert. Der im Herbst gestartete Prozess dreht sich bisher vor allem um die Frage, wer wann was gewusst und verantwortet hat sowie um technische Details, die die Angeklagten teils stundenlang darlegen. Eine wichtige Rolle spielen auch die als streng hierarchisch beschriebenen Strukturen bei Audi.

Man habe Angst vor den Chefs gehabt, sagte einer der Angeklagten.

Prozess gegen Stiefvater und Beifahrer unter Mordverdacht

Nach dem spurlosen Verschwinden einer Münchnerin und ihrer Teenager-Tochter im vergangenen Sommer erhebt die Staatsanwaltschaft nun Anklage gegen den Ehemann der Frau.
Nach dem spurlosen Verschwinden einer Münchnerin und ihrer Teenager-Tochter im vergangenen Sommer erhebt die Staatsanwaltschaft nun Anklage gegen den Ehemann der Frau.  © -/Polizeipräsidium München/dpa

Nach dem spurlosen Verschwinden einer Mutter und ihrer Tochter in München steht der Ehemann der Frau und Stiefvater des Mädchens vor Gericht.

Die Ermittler gehen davon aus, dass er zuerst im Streit seine Frau tötete und danach die Tochter ermordete, um die Tat zu verschleiern. Er ist wegen Totschlags und Mordes angeklagt.

Die Leichen der beiden wurden aber bis heute nicht gefunden. Bei mehreren Suchaktionen, unter anderem in einem Waldstück, entdeckten Polizisten eine Fußmatte und einen Teppich mit Blutspuren.

Der Angeklagte stritt die Vorwürfe zu Beginn des Prozesses ab. Die Strafkammer hat bislang Termine bis März 2021 geplant.

Eine überraschende Wende gab es im Berufungsverfahren um eine totgeraste 20 Jahre alte Frau: Aufgrund neuer Hinweise steht der Beifahrer des Unfallwagens unter Mordverdacht.

Unter Alkoholeinfluss soll er den ebenfalls betrunkenen Fahrer angestiftet haben, auf die junge Frau zuzurasen. Zumindest lautet so der Vorwurf einer Zeugin, die sich drei Jahre nach dem Unfall bei Untereisenheim (Landkreis Würzburg) bei der Polizei meldete.

Der Fall wird nun neu untersucht und der Prozess soll im kommenden Jahr vor dem Landgericht Würzburg erneut verhandelt werden.

Terrorprozess und Mord an einem Baby

Die Angeklagte Jennifer W. hält auf ihrem Sitz im Gerichtssaals einen roten Aktendeckel vor ihr Gesicht. Rechts spricht ihr Anwalt Ali Aydin mit ihr.
Die Angeklagte Jennifer W. hält auf ihrem Sitz im Gerichtssaals einen roten Aktendeckel vor ihr Gesicht. Rechts spricht ihr Anwalt Ali Aydin mit ihr.  © Peter Kneffel/dpa

Immer noch wartet die mutmaßliche IS-Terroristin Jennifer W. auf ihr Urteil. Die junge Frau aus Niedersachsen muss sich wegen Mordes und Kriegsverbrechen vor dem Oberlandesgericht München verantworten.

Sie soll sich im Irak der Terrororganisation Islamischer Staat angeschlossen und 2015 dabei zugesehen haben, wie ein fünf Jahre altes jesidisches Mädchen qualvoll verdurstete. Der Prozess begann im April 2019 und sollte eigentlich schon längst beendet sein.

Nun sind bis April 2021 weitere Termine geplant.

Ein Babymord in Unterfranken beschäftigt die dortige Justiz: Das Baby lag leblos im Bett, als eine Mutter aus Gemünden am Main (Landkreis Main-Spessart) den Buben kurz vor Weihnachten 2019 findet.

Der frühere Lebensgefährte der Mutter soll den acht Monate alten Säugling malträtiert und schließlich erstickt haben. Seit Oktober 2020 muss sich der mittlerweile 24-Jährige wegen Mordes vor dem Landgericht Würzburg verantworten.

Das Urteil soll aber auch erst im kommenden Jahr fallen.

Rechtsanwälte und Steuerberater aus München vor der Strafkammer

In Augsburg läuft derzeit ein Strafprozess gegen zwei Angeklagte, in dem es um einen angeblichen Steuerschaden von mehreren 100 Millionen Euro durch ein sogenanntes "Goldfinger"-Steuersparmodell geht. (Symbolbild)
In Augsburg läuft derzeit ein Strafprozess gegen zwei Angeklagte, in dem es um einen angeblichen Steuerschaden von mehreren 100 Millionen Euro durch ein sogenanntes "Goldfinger"-Steuersparmodell geht. (Symbolbild)  © Sven Hoppe/dpa

Das Landgericht Augsburg muss sich bereits mehr als ein Jahr lang mit umstrittenen Steuersparmodellen beschäftigen, die nach dem berühmten James-Bond-Film Goldfinger von 1964 mit Sean Connery und Gert Fröbe benannt sind.

Mit den Goldfinger-Modellen hatten früher Millionäre ihre Zahlungen an den Fiskus massiv nach unten drücken können. Dafür mussten die vermögenden Einkommensteuerzahler im In- oder Ausland mit Gold handeln. Solche Modelle bewegten sich im Graubereich zwischen legalen Steuertricks und illegaler Steuerhinterziehung.

Der Gesetzgeber hat inzwischen das Einkommensteuerschlupfloch gestopft.

Seit November 2019 stehen deswegen in Augsburg Rechtsanwälte und Steuerberater aus München vor der Strafkammer. Die Staatsanwaltschaft geht von Steuerhinterziehung in Höhe von mehreren 100 Millionen oder sogar bis zu einer Milliarde Euro aus. Doch die Richter haben bereits klar gemacht, dass es für eine Verurteilung wohl nicht reichen wird.

Dennoch war bislang die Staatsanwaltschaft gegen eine Einstellung des Mammutverfahrens.

Titelfoto: Bildmontage: Matthias Schrader/Pool AP/dpa, -/Polizeipräsidium München/dpa, Peter Kneffel/dpa, Sven Hoppe/dpa

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