Miese Betrüger nutzen alte Menschen aus: Falsche Polizisten endlich vor Gericht

München - Schmuck, Gold und Zehntausende Euro Bargeld: Am Freitag (9.30 Uhr) beginnt am Landgericht München I der Prozess gegen zwei mutmaßliche Trickbetrüger.

Das Gerichtsgebäude für das Amtsgericht, das Landgericht I und II in München.
Das Gerichtsgebäude für das Amtsgericht, das Landgericht I und II in München.  © picture alliance / Peter Kneffel/dpa

Sie sollen sich als falsche Polizeibeamte ausgegeben und mehrere alte Leute um ein Vermögen gebracht haben.

Deshalb sind sie wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs und Bandendiebstahls angeklagt. Der Prozess gegen weitere mutmaßliche Mitglieder der Bande hatte bereits am Donnerstag begonnen.

Die Tatorte der angeklagten Taten sind Berlin, Frankfurt und München. In einem Fall sollen die angeklagten Männer eine betagte Münchnerin dazu gebracht haben, Goldmünzen und Geldscheine auf einem Grünstreifen hinter ihrem Haus abzulegen, wo sie dann abgeholt wurden.

Immer wieder fallen vor allem ältere Menschen auf die verbreitete Betrugsmasche herein, bei der angebliche Polizisten - meist aus Callcentern in der Türkei - anrufen und ihre Opfer dazu bringen, Geld, Schmuck und andere Wertgegenstände herauszugeben.

Die Polizei warnt immer wieder davor, dennoch sind Betrüger oft erfolgreich.

"Die verwendete Legende wird über Stunden hinweg ausgebaut und die Geschädigten immer stärker unter Druck gesetzt"

Am Freitag beginnt am Landgericht München I der Prozess gegen zwei Männer, die ältere Menschen als falsche Polizeibeamte um ein Vermögen gebracht haben sollen.
Am Freitag beginnt am Landgericht München I der Prozess gegen zwei Männer, die ältere Menschen als falsche Polizeibeamte um ein Vermögen gebracht haben sollen.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Das liegt nach Angaben des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) auch daran, dass beim Anruf mit Hilfe manipulierter Rufnummern (des sogenannten Call-ID-Spoofings) oft die örtliche Vorwahl in Verbindung mit dem Polizeinotruf oder der Zentralnummer des LKAs oder des Bundeskriminalamtes (BKA) angezeigt wird.

Meist wird der Angerufene dann aufgefordert, einem angeblichen Kollegen Wertgegenstände zu übergeben - entweder um sie vor Diebstahl zu schützen oder weil angebliche Spuren wie Fingerabdrücke gesichert werden müssten.

"Die verwendete Legende wird über Stunden hinweg ausgebaut und die Geschädigten immer stärker unter Druck gesetzt", teilt das LKA dazu mit. "Hierbei werden die Geschädigten so dirigiert, dass eine fortwährende Telefonverbindung besteht, damit die Täter die Kontrolle über die Situation behalten."

Nach LKA-Angaben steigt die Zahl dieser oder ähnlicher Betrugsdelikte (wie Enkeltrick). 2018 wurden 17.000 Fälle angezeigt, 2019 waren es schon 21.000. Im Schnitt erbeuteten die Betrüger etwa 8000 Euro.

"Es wurden jedoch bereits einige Fälle bekannt, bei welchen die Opfer um sechsstellige Beträge betrogen wurden", sagte ein LKA-Sprecher.

Ermittler gehen von hoher Dunkelziffer aus

Insgesamt lasse sich seit 2016 ein starker Anstieg des Callcenter–Phänomens erkennen, teilt das LKA mit. Der Schwerpunkt liege dabei auf Trickbetrügereien mit falschen Amtsträgern oder Polizeibeamten. "Seit dem Jahr 2018 ist auch im Bereich des Enkeltricks eine signifikante Steigerung in Bayern festzustellen." Dabei geben Kriminelle vor, dass ein Enkel des Angerufenen in Gefahr ist.

Die Ermittler gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus - vor allem bei versuchten Betrugsdelikten.

"Einem Anbahnungsversuch wird durch die Opfer oft wenig Bedeutung beigemessen, insbesondere wenn kein Schaden eingetreten ist oder die Opfer empfinden Scham, wenn sie erkennen, dass sie Betrügern aufgesessen sind und erstatten keine Anzeige."

Titelfoto: Bildmontage: picture alliance / Peter Kneffel/dpa, Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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