Über 700 Taten: Großvater wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs vor Gericht

München/Seefeld - Vor dem Landgericht München II beginnt am Mittwoch (9.15 Uhr) ein Prozess um hundertfachen Kindesmissbrauch. 

Der 56 Jahre alter, wegen sexuellen Kindesmissbrauchs, Angeklagte nimmt zu Prozessbeginn am Landgericht München II seinen Platz im Saal ein. 
Der 56 Jahre alter, wegen sexuellen Kindesmissbrauchs, Angeklagte nimmt zu Prozessbeginn am Landgericht München II seinen Platz im Saal ein.  © Peter Kneffel/dpa

Ein 56 Jahre alter Mann aus Seefeld steht vor Gericht, weil er sich über Jahre an seinen Stiefenkeln und deren Freunden vergangen haben soll. 

Zu den mehr als 700 Taten, die einen Zeitraum von 15 Jahren umfassen, soll es im Haus des Angeklagten gekommen sein - aber auch im Wald und in einer Kirche. 

Der Mann ist wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Vergewaltigung angeklagt. 

Er sitzt seit August 2018 in Untersuchungshaft.

Update 12 Uhr: Angeklagter leugnet im Missbrauchs-Prozess alles

 Ein 56 Jahre alter, wegen sexuellen Kindesmissbrauchs, angeklagter Mann (M) wird zu Prozessbeginn am Landgericht München II in den Saal geführt. Rechts steht seine Anwältin Anja Kollmann. 
Ein 56 Jahre alter, wegen sexuellen Kindesmissbrauchs, angeklagter Mann (M) wird zu Prozessbeginn am Landgericht München II in den Saal geführt. Rechts steht seine Anwältin Anja Kollmann.  © Peter Kneffel/dpa

Im Prozess um hundertfachen schweren sexuellen Missbrauch an kleinen Kindern hat der Angeklagte vor dem Landgericht München II betont, er habe die Kinder nie zu etwas gezwungen. 

"Ich hasse Gewalt", sagte er. "Ich habe auch die Kinder niemals geschlagen und niemals zu irgendwas gezwungen. Das ist eine freie Erfindung."

Er selbst habe als Kind in verschiedenen Kinderheimen Gewalt erfahren - und auch Missbrauch. 

"Alles, was mir vorgeworfen wird, ist mir da passiert", sagte er. "Ich hab da keine Schmerzen gehabt. Ich hab halt gedacht, der hat mich lieb - fertig." Er habe schon in der Jugend mehrfach mit teils drastischen Mitteln versucht, sich das Leben zu nehmen, sagte der Angeklagte. "Aber verreckt bin ich nicht."

Laut Staatsanwaltschaft soll der 56 Jahre alte Mann aus dem oberbayerische Seefeld (Landkreis Starnberg) über einen Zeitraum von 15 Jahren seine kleinen Stiefenkel und deren Freunde massiv sexuell missbraucht haben. Ihm wird auch Vergewaltigung vorgeworfen. Als die Taten begonnen haben sollen, waren die jüngsten Kinder erst fünf Jahre alt.

Die Staatsanwaltschaft listet mehr als 700 Fälle auf. Laut Anklage erlitten die Kinder heftige Schmerzen. Einen Jungen soll er nicht nur zu Hause und im Wald, sondern auch in einer Kirche missbraucht haben. Wenn sein Stiefenkel nicht mitmachen wollte, habe er ihm gedroht, das Lieblingskuscheltier wegzunehmen, ihn zwei Tage in sein Zimmer einzusperren oder seiner Mutter wehzutun.

Der Angeklagte berief sich auf Erinnerungslücken. Er wolle aussagen - "so gut ich mich erinnern kann". Aus Sicht seiner Anwältin bestehen Zweifel daran, ob er verhandlungsfähig ist. 

Außerdem sei er ein Hochrisikopatient. Wegen des grassierenden Coronavirus erschien der 56-Jährige mit Atemschutzmaske vor Gericht.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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