Schockierender Prozess gegen "Todespfleger": Anklage fordert lebenslange Haft

München - Es sind erschreckende Vorwürfe: Ein polnischer Hilfspfleger soll mit Insulinspritzen sechs Menschen getötet haben, die er eigentlich pflegen sollte. Die Tatorte verteilen sich quer durch Deutschland. Nun steht der Mordprozess vor dem Landgericht München I gegen ihn vor dem Ende.

Der Angeklagte (l) steht zum Prozessauftakt an seinem Platz im Gericht.
Der Angeklagte (l) steht zum Prozessauftakt an seinem Platz im Gericht.  © Peter Kneffel/dpa

Sechsfacher Mord und dreifacher versuchter Mord wird dem Mann vorgeworfen. Für diesen Donnerstag (9.30 Uhr) ist das Schlussplädoyer der Staatsanwaltschaft geplant. 

Sie wirft dem 38-Jährigen vor, er habe seinen pflegebedürftigen Patienten an verschiedenen Tatorten in Deutschland Insulin gespritzt, das als Überdosis tödlich sein kann. Er soll über das Medikament verfügt haben, weil er - im Gegensatz zu seinen Opfern - Diabetiker ist. 

Krasse Eigensucht, rücksichtsloses Gewinnstreben und völlige Gleichgültigkeit wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor. Der Prozess war im November 2019 gestartet.

Die Morde soll der Mann - Medien nennen ihn einen "Todespfleger" - laut Anklage quer durch Deutschland begangen haben: in den bayerischen Orten Ottobrunn, Eckenthal und Wiesenbronn ebenso wie in Hannover, im schleswig-holsteinischen Burg und in Spaichingen in Baden-Württemberg

Versuchte Morde werden ihm angelastet in Mülheim an der Ruhr, in Esslingen und in Weilheim in Oberbayern. Der gelernte Schlosser soll in einem Crashkurs von sieben Monaten zum Hilfspfleger ausgebildet worden sein.

Mord-Prozess in München: Bei Verurteilung droht Sicherungsverwahrung

Die Anklage geht von Heimtücke, Habgier und niedrigen Beweggründen aus. Neben den sechs Mordfällen sind drei Fälle des versuchten Mordes angeklagt und drei Fälle von gefährlicher Körperverletzung. 

Zusätzlich wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Raub und Diebstahl vor. Er soll beispielsweise so profane Dinge wie Wein, Waschmittel, Toilettenpapier und Klobürsten gestohlen haben.

Der Prozess erinnert an den spektakulären Fall des Patientenmörders Niels Högel, der im vergangenen Jahr vom Landgericht Oldenburg wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. 

Ob der Münchner Angeklagte im Falle eines Schuldspruches jemals wieder auf freien Fuß kommt, ist fraglich. Wie die Bild-Zeitung berichtet, sieht der vom Gericht beauftragte psychologische Sachverständige keine gute Prognose. Damit könnte dem Angeklagten im Falle einer Verurteilung eine Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung drohen.

Update, 11.28 Uhr: Plädoyer der Staatsanwältin: "Er ist ein Serienmörder"

Der Prozess gegen einen polnischen Hilfspfleger wegen sechsfachen Mordes ist mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft in die Endphase gegangen. 

Der 38 Jahre alte Angeklagte sei kaltblütig und empathielos vorgegangen, so die Staatsanwältin am Donnerstag zu Beginn ihres voraussichtlich mehrstündigen Vortrags. 

Er sei kein Pfleger. "Er ist ein Serienmörder." 

Die Arbeit als Pfleger sei ihm zu beschwerlich gewesen, sagte die Staatsanwältin. Von Anfang an sei er nicht gewillt gewesen, die Arbeit auszuführen. Er habe vielmehr die "Tätigkeit lediglich als Türöffner zu deutschen Haushalten und ihren Wertgegenständen" nutzen wollen. 

Aufgrund seiner Körperfülle habe der Mann die Arbeit teils auch gar nicht ausführen können. "Die Arbeit überforderte ihn sowohl physisch als auch psychisch."

Update 15.25 Uhr: Anklage verlangt lebenslange Haft für Hilfspfleger

Im Prozess gegen einen polnischen Hilfspfleger wegen Mordes an Patienten hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft gefordert. 

Zudem beantragte die Staatsanwältin am Donnerstag vor dem Landgericht München I. die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Sie sah es nach 46 Verhandlungstagen als erwiesen an, dass sich der 38 Jahre alte Angeklagte in drei Fällen des Mordes schuldig gemacht hat. 

Hier sei eine hohe Insulingabe durch den Hilfspfleger ursächlich für deren Tod gewesen. Der Tod dieser Menschen könne dem Angeklagten "objektiv zugerechnet" werden. In zwei weiteren Fällen geht die Anklage von versuchtem Mord aus.

In vier Fällen verlangte die Anklagevertreterin jedoch Freispruch. Hier könne nicht genau nachgewiesen werden, ob eine Insulingabe zum Tod führte. Das bedeute aber nicht, dass der Angeklagte nicht auch für diese Todesfälle verantwortlich sein könnte.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse München:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0