Terror-Prozess in München: Jennifer W. bricht nach fast zwei Jahren ihr Schweigen

München - Rund zwei Jahre nach Beginn des Terror-Prozesses um den Mord an einem kleinen jesidischen Mädchen im Irak will die Angeklagte ihr Schweigen zu den Vorwürfen voraussichtlich brechen.

Die Angeklagte Jennifer W. hält auf ihrem Sitz im Gerichtssaals einen roten Aktendeckel vor ihr Gesicht. Neben ihr sitzt ihr Anwalt.
Die Angeklagte Jennifer W. hält auf ihrem Sitz im Gerichtssaals einen roten Aktendeckel vor ihr Gesicht. Neben ihr sitzt ihr Anwalt.  © Peter Kneffel/dpa

Für diesen Mittwoch haben die Anwälte von Jennifer W. angekündigt, vor dem Oberlandesgericht (OLG) München eine Einlassung ihrer Mandantin vorlesen zu wollen. Sie hatten bereits eine Erklärung zu ihren persönlichen Verhältnissen verlesen, nun soll es in der Fortsetzung der Verhandlung (9.30 Uhr) voraussichtlich auch um die Tatvorwürfe gehen.

Die junge Frau aus Lohne in Niedersachsen ist wegen Mordes und Mitgliedschaft in der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angeklagt.

Sie soll tatenlos dabei zugesehen haben, wie ein fünfjähriges jesidisches Mädchen, das als Sklavin gehalten worden sein soll, angekettet in einem Innenhof bei brennender Hitze qualvoll verdurstete.

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Der Prozess hatte im April 2019 begonnen und sollte eigentlich längst beendet sein.

Zuletzt zogen auch ein Strafverfahren gegen die beiden Verteidiger wegen des Vorwurfs, sie hätten aus einem nicht-öffentlichen Prozess in Düsseldorf zitiert, und Debatten um eine dritte Anwältin für die Angeklagte die Verhandlung in die Länge.

Mitte Februar hatte das Gericht neue Prozesstermine angesetzt. Das Urteil könnte demnach womöglich erst am 18. Juni fallen.

Update 14 Uhr: IS-Prozess um verdurstetes Mädchen: "Ich wollte ihr helfen"

Die Angeklagte Jennifer W., die sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak angeschlossen haben soll, hält sich beim Betreten des Gerichtssaals einen roten Aktendeckel vors Gesicht. (Archiv)
Die Angeklagte Jennifer W., die sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak angeschlossen haben soll, hält sich beim Betreten des Gerichtssaals einen roten Aktendeckel vors Gesicht. (Archiv)  © Peter Kneffel/dpa

Fast zwei Jahre hat sie geschwiegen – jetzt hat die mutmaßliche IS-Terroristin Jennifer W. sich erstmals zu den grausigen Vorwürfen gegen sie geäußert.

In einer persönlichen Erklärung, die ihre Anwältin am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht (OLG) München verlas, schilderte sie, wie ihr damaliger Ehemann die erst fünf Jahre alte Rania im Jahr 2015 mit einem Seil im Innenhof ihres Hauses im irakischen Falludscha festgebunden habe.

"Ihre Hände waren vorne an den Handgelenken zusammengebunden", sagte sie. "Ich wollte ihr natürlich auf der Stelle helfen, wusste aber nicht, wie." Sie habe gemerkt, dass es immer heißer und die Sonne stärker wurde.

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Darum habe sie versucht, ihren Mann dazu zu bewegen, das Kind wieder ins Haus zu holen. Er sei aber aggressiv geworden, habe gesagt, das Ganze gehe sie nichts an. Das Kind habe lernen sollen, "zu hören". Immer wieder habe sie ihn gebeten, das Mädchen wieder reinzulassen.

Sie habe währenddessen geputzt und mehrmals nach dem Kind geschaut. Sie sei "erschrocken, wie schnell sich ihr Zustand verschlechtert hatte".

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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