Wann entsteht Leben? Wegweisender Prozess um Eizellenspenden

München - Wann beginnt Leben? Mit dieser grundsätzlichen Frage befasst sich am Mittwoch (10 Uhr) das Bayerische Oberste Landesgericht in München.

Ein Spermium wird einer Eizelle injiziert. (Symbolbild)
Ein Spermium wird einer Eizelle injiziert. (Symbolbild)  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Der Vorstand des Vereins "Netzwerk Embryonenspende" und zwei Mediziner sind wegen Verstoßes gegen das Embryonenschutzgesetz angeklagt.

Der Verein hat ungewollt kinderlosen Paaren Eizellenspenden vermittelt. Dabei handelte es sich um Eizellen, die anderen Frauen im Rahmen von Kinderwunschbehandlungen entnommen wurden und dabei gewissermaßen übrig blieben, wie der angeklagte Vorsitzende des Vereins, Hans-Peter Eiden, erläuterte. 

Sie hätten seinen Angaben zufolge sonst vernichtet werden müssen.

Diese Eizellen, um die es im Verfahren geht, wurden mit Spermien zusammengebracht und dann eingefroren, kurz bevor es zur Verschmelzung kam. 

Daraus ergibt sich eine Gesetzeslücke. Denn in Deutschland ist sowohl die Spende unbefruchteter Eizellen laut Embryonenschutzgesetz verboten. 

Ebenso ist es nicht erlaubt, eine Eizelle mit dem Ziel zu befruchten, sie einer anderen Frau einzupflanzen als der, von der die Zelle stammt.

Das erste obergerichtliche Urteil zu dem Thema in ganz Deutschland

Der Verein geht davon aus, dass beides hier nicht zutrifft, weil mit der sogenannten Imprägnierung der Eizelle eine Befruchtung unwiderruflich folgt. Es sei also im Grunde eine befruchtete Eizelle und damit handle es sich weder um die Spende einer unbefruchteten Eizelle, noch um die Befruchtung einer Eizelle mit dem Ziel, sie einer anderen Frau einzupflanzen. Denn schließlich sollte sie ursprünglich der Frau eingesetzt werden, von der sie auch stammte.

Das Amtsgericht Dillingen und das Landgericht Augsburg gaben dem Verein in den zwei vorherigen Instanzen recht. Das Urteil des Bayerischen Obersten Landesgerichtes ist nach Angaben eines Gerichtssprechers das erste obergerichtliche Urteil zu dem Thema bundesweit. 

"Es entscheidet sich zum allerersten Mal die juristische Fragestellung: Wann entsteht Leben?", sagte Eiden.

Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

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