Mordprozess zehn Jahre nach der Tat: Hat sich der Mörder verplappert?

Von Christian Brahmann

Helmstedt - Hat sich ein Mörder fast zehn Jahre nach der Tat bei den Ermittlern selbst verraten? Unter anderem die eigenen Aussagen als Zeuge zu einem Mordfall vom Dezember 2011 in Helmstedt haben den heute 48-jährigen Mann auf die Anklagebank gebracht, wie Staatsanwalt Hans Christian Wolters sagte.

Ein niedersächsischer Justizbeamter steht in einem Gerichtssaal. Ende Juli beginnt am Landgericht Braunschweig der Mordprozess gegen einen 48-Jährigen.
Ein niedersächsischer Justizbeamter steht in einem Gerichtssaal. Ende Juli beginnt am Landgericht Braunschweig der Mordprozess gegen einen 48-Jährigen.  © Friso Gentsch/dpa

Ende Juli beginnt am Landgericht Braunschweig der Prozess gegen den Tatverdächtigen aus dem Raum Helmstedt. Die Anklage wirft ihm einen heimtückischen Mord aus Habgier vor.

Am Tattag im Dezember 2011 soll der Mann mit einem Messer zur Wohnung eines 42-Jährigen gegangen sein. Als dieser die Haustür öffnete, soll der mutmaßliche Täter direkt zugestochen und dabei die Halsschlagader des Opfers verletzt haben.

Mit EC-Karte und 100 Euro soll der Angeklagte den Tatort verlassen haben. Der Tote wurde zwei Tage später in der Wohnung gefunden. Die Männer - beides Deutsche - gehörten laut Staatsanwaltschaft zu einem größeren Bekanntenkreis, dessen Mitglieder teils starke Alkoholprobleme hatten.

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Schon kurz nach der Tat geriet der Verdächtige in den Fokus der Ermittler. Ausreichend Beweise hätten sich aber nicht ergeben, sagte Wolters. Das Verfahren wurde eingestellt. In den Folgejahren wurde der Mann aber mehrmals als Zeuge vernommen.

Eine Mitte 2019 ins Leben gerufene Braunschweiger Ermittlungsgruppe befasste sich erneut mit dem Fall. Untersuchungen des Landeskriminalamts ergaben demnach Anhaltspunkte für eine Neubewertung. Die Braunschweiger Polizei bildete daher im September 2020 eine Mordkommission.

Angeklagter machte bei erneuter Befragung widersprüchliche Aussagen

Bei einer erneuten Befragung im Dezember 2020 soll der Angeklagte dann Angaben mit Täterwissen gemacht haben. "Da sind ihm Sachen rausgerutscht, die ihn nach unserer Überzeugung überführt haben", sagte Staatsanwalt Wolters.

Seit Januar sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Die widersprüchlichen Aussagen und ein Abdruck eines Sportschuhs im Blut des Opfers ließen die Strafverfolger zur Überzeugung kommen, doch noch den Täter gefunden zu haben.

Laut Staatsanwalt Wolters streitet der Verdächtige die Tat ab. Demnach hat er den Toten nur in der Wohnung gefunden. Den Rettungsdienst oder die Polizei verständige er Wolters zufolge aber nicht. Der Mordprozess beginnt am 23. Juli. Bis Mitte Oktober sind sieben Verhandlungstage eingeplant.

Titelfoto: Friso Gentsch/dpa

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