Mutter tötet Sohn (†4) aus Angst vor dem Jugendamt: Urteil gefallen!

Verden – Sie hat ihren vierjährigen Jungen aus der Angst getötet, dass Jugendamt würde ihr das Kind wegnehmen: Das Landgericht Verden (in Niedersachsen) hat eine 42-Jährige wegen Totschlags zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Angeklagte spricht vor Prozessbeginn mit der Anwältin Daniela Post (r) und dem Dolmetscher Seyhmus Ayaz.
Die Angeklagte spricht vor Prozessbeginn mit der Anwältin Daniela Post (r) und dem Dolmetscher Seyhmus Ayaz.  © Sina Schuldt/dpa

Die Schwurgerichtskammer sei von einem "Mitnahmesuizid" ausgegangen, die Frau habe erst ihr Kind und dann sich selbst töten wollen, sagte ein Gerichtssprecher am Dienstag zu dem Urteil vom Vortag.

Verminderte Schuldfähigkeit wurde nicht ausgeschlossen. Das Gericht geht davon aus, dass die Frau den Jungen im November von einer Brücke in Rotenburg in den Fluss Wümme geworfen hatte, wo es ertrank.

Nach Angaben des Sprechers hatte die Staatsanwaltschaft sechseinhalb Jahre Gefängnis für die Frau gefordert, die Verteidigung sprach sich in ihrem Plädoyer für dreieinhalb Jahre aus - bei Aufhebung des Haftbefehls.

Polizei findet Vermissten vom Leipziger Hauptbahnhof in Erfurt
Vermisste Personen Polizei findet Vermissten vom Leipziger Hauptbahnhof in Erfurt

Die Mutter hatte im Prozess weitgehend die Vorwürfe der Anklage eingeräumt. Sie ließ von ihrer Verteidigerin eine Erklärung verlesen und bestätigte den Hergang. An den entscheidenden Moment erinnere sie sich aber nicht.

Angeklagte: "Der Moment existiert für mich nicht"

Der Frau wird vorgeworfen, ihren vierjährigen Sohn im November 2020 über das Geländer einer Brücke geworfen haben, weil sie fürchtete, das Sorgerecht zu verlieren.
Der Frau wird vorgeworfen, ihren vierjährigen Sohn im November 2020 über das Geländer einer Brücke geworfen haben, weil sie fürchtete, das Sorgerecht zu verlieren.  © Sina Schuldt/dpa

"Der Moment, in dem ich unseren Sohn über das Geländer warf, existiert nicht für mich." Das Jugendamt habe früher einmal ihre ältere Tochter für einige Tage in Obhut genommen, sagte die Türkin zur Vorgeschichte des Falles.

Damals stand der Verdacht im Raum, sie habe das Mädchen gewürgt. Das habe aber nicht gestimmt. "Ich habe das Jugendamt nicht als Hilfe, sondern als Bedrohung empfunden", erklärte sie.

Drei Tage vor der Tötung war der vierjährige Sohn mit schweren Verbrühungen ins Krankenhaus gekommen. Die Mutter sagte, der Junge habe sich und sein Bett eingenässt. Sie habe ihn abduschen wollen. Weil er sich wehrte, habe sie nicht gemerkt, dass das Duschwasser zu heiß war.

Mädchen (12) bringt Kind zur Welt: Familie lädt ihren Vergewaltiger zur Babyparty ein!
Missbrauch Mädchen (12) bringt Kind zur Welt: Familie lädt ihren Vergewaltiger zur Babyparty ein!

In der Klinik habe ein Arzt den Vater wegen der Verletzungen angesprochen, danach habe ihr Mann gesagt, das Amt werde ihnen das Kind wegnehmen. Die Mutter flüchtete dann mit ihrem Kind über eine Feuertreppe aus der Klinik.

Titelfoto: Sina Schuldt/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Niedersachsen: