19-Jähriger bringt seine Freundin um: Staatsanwaltschaft fordert zwölf Jahre

Lüneburg - Die Lüneburger Staatsanwaltschaft hat eine Freiheitsstrafe von zwölfeinhalb Jahren wegen Mordes für den 19 Jahre alten Angeklagten nach Tötung seiner gleichaltrigen Freundin gefordert.

Der Angeklagte (links) wird von seinem Anwalt Moritz Klay (r.) in den Saal vom Landgericht geführt.
Der Angeklagte (links) wird von seinem Anwalt Moritz Klay (r.) in den Saal vom Landgericht geführt.  © Philipp Schulze/dpa

Zwar solle das Erwachsenenstrafrecht angewandt werden, jedoch milder, weil er noch Heranwachsender sei, sagte Staatsanwalt Jochen Kaup am Donnerstag vor der Jugendkammer des Landgerichts.

Er sei nicht vorbestraft, auch wenn er in einer Ausbildung Geld gestohlen habe (AZ: 31 KLs 1501 Js).

Die Nebenklage sah dagegen Heimtücke und niedrige Beweggründe bei der grausamen Tat im Januar. Wegen der besonderen Schwere der Schuld plädierten die Vertreter der Familie des Opfers auf lebenslang.

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Der Verteidiger des jungen Mannes forderte eine Beurteilung nach dem Jugendstrafrecht und eine maßvolle Strafe von höchstens zehn Jahren wegen Totschlags. Erstmals im Prozess meldete sich der Beschuldigte selbst zu Wort.

"Es tut mir unendlich leid, was ich getan habe. Ich bereue es jeden Tag", sagte der Deutsche unter Tränen und wandte sich damit an den Vater und die Schwester des Opfers, die im Gerichtssaal waren.

Die beiden klammerten sich aneinander, als die Einzelheiten der brutalen Tat mit einem Küchenmesser noch einmal genannt wurden.

Vater fand seine Tochter auf einem Parkplatz tot im Auto

Mitarbeiter der Spurensicherung untersuchen auf einem Parkplatz den Fundort einer Frauenleiche.
Mitarbeiter der Spurensicherung untersuchen auf einem Parkplatz den Fundort einer Frauenleiche.  © Joto/dpa

Der Täter hatte zu Prozessbeginn in einer vom Anwalt verlesenen Erklärung eingeräumt, seine Freundin in ihrem Auto auf einem Parkplatz in der Hansestadt erstochen zu haben. Das Paar war mehr als ein Jahr zusammen und hatte sich Tausende Whatsapp-Nachrichten geschickt. Ob Trennungsgründe eine Rolle für die Tat spielten, blieb unklar.

Der Vater der Schülerin, die kurz vor dem Abitur stand, hatte seine Tochter nachts gefunden. Er hatte nach ihr gesucht, weil sie von ihrem Job in einem Lokal abends nicht nach Hause gekommen war.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem Angeklagten eine "narzisstisch-dissoziale Persönlichkeitsakzentuierung" bescheinigt und von einer schnellen Kränkbarkeit sowie einem gestörten Selbstwertgefühl gesprochen. Eine Handlung im Affekt sei es aber nicht gewesen. "Ich sehe volle Reifekriterien", sagte der Gutachter.

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Der Antrag des Verteidigers auf Hinzuziehung eines Psychologen wurde nicht angenommen. Mit dem Psychiater wollte der Angeklagte nicht reden, mit einem Psychologen schon.

Das Urteil ist für kommenden Donnerstag (11 Uhr) angekündigt. Die Kammer muss vor allem entscheiden, ob die Reifekriterien für einen Erwachsenen vorliegen.

Titelfoto: Philipp Schulze/dpa

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