Dreifach-Mutter bricht ihr Schweigen: "Aus egoistischen Gründen dem IS geglaubt"

Düsseldorf – Eine mutmaßliche IS-Terroristin und Syrien-Rückkehrerin aus Leverkusen hat in Düsseldorf ein Teilgeständnis abgelegt.

Die mutmaßliche IS-Terroristin (35) aus Leverkusen muss sich in Düsseldorf vor Gericht verantworten. Ihr werden Kriegsverbrechen, Menschenhandel und Freiheitsberaubung vorgeworfen.
Die mutmaßliche IS-Terroristin (35) aus Leverkusen muss sich in Düsseldorf vor Gericht verantworten. Ihr werden Kriegsverbrechen, Menschenhandel und Freiheitsberaubung vorgeworfen.  © Martin Höke/dpa

"Ich bereue, dass ich meine Tochter diesen Gefahren ausgesetzt habe. Ich schäme mich, aus egoistischen Gründen dem IS geglaubt zu haben", sagte sie am Mittwoch den Richtern des Düsseldorfer Oberlandesgerichts.

Der 35-Jährigen werden unter anderem Kriegsverbrechen, Menschenhandel und Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Sie habe den falschen Versprechen derjenigen geglaubt, die ihr ein gutes Leben im IS-Gebiet versprochen haben, so die Angeklagte. Sie habe auch geahnt, dass es sich bei der jungen Jesidin, die ihre deutsche Freundin in Syrien regelmäßig mitgebracht habe, um eine Sklavin handelte.

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Zuvor habe sie erfahren, dass der IS die Sklaverei eingeführt habe. "Ich habe mich damals nicht damit beschäftigt, ich war sehr naiv", sagte sie. Sie habe die junge Frau aber immer gut behandelt.

Mit den radikalen Islamisten in Kontakt gekommen sei sie über eine Konvertitin, die sie in einer Moschee in Leverkusen kennengelernt habe, sowie über eine Facebook-Gruppe namens "Glaube, Ausreise und Heiliger Krieg".

Die Angeklagte soll im Februar 2015 mit ihrer damals dreijährigen Tochter nach Syrien ausgereist sein und sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen haben. Zum Putzen und Aufräumen soll die inzwischen dreifache Mutter die vom IS versklavte Jesidin ausgenutzt haben.

Angeklagte heiratete IS-Terroristen und kehrte nach Deutschland zurück

Nach einer Vermittlung durch ein IS-Heiratsbüro soll sie den hochrangigen IS-Terroristen Ismail S. aus Husum geheiratet haben. "Mein Mann musste zur Arbeit", sagte sie am Mittwoch. "Was er genau tat, wollte er mir nicht erzählen."

Dem Paar waren laut Anklage zunächst in Rakka und später im ostsyrischen Al-Mayadeen mehrere Wohnungen in Häusern zugewiesen worden, deren Bewohner vom IS getötet oder vertrieben worden waren.

Anfang März 2020 war die Leverkusenerin mit ihren Kindern in kurdische Gefangenschaft geraten. Bei ihrer Einreise am Frankfurter Flughafen war sie festgenommen worden, seither sitzt die Deutsche in Untersuchungshaft. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hat für den Fall Verhandlungstage bis 22. April angesetzt.

Titelfoto: Martin Höke/dpa

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