Geiselnahme-Prozess: Angeklagter legt Geständnis ab, von Folter sei nie die Rede gewesen!

Düsseldorf/Oyten - Er soll mit zwei Komplizen einen Mann entführt und in einen Keller gebracht haben: Wegen Geiselnahme muss sich ab diesem Dienstag ein 23-Jähriger vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten. Die Tat hatte sich laut Anklage vor dreieinhalb Jahren in Oyten in Niedersachsen ereignet.

Für den Geiselnahme-Prozess sind bis zum 6. Juli noch zwei weitere Verhandlungstage am Düsseldorfer Landgericht angesetzt.
Für den Geiselnahme-Prozess sind bis zum 6. Juli noch zwei weitere Verhandlungstage am Düsseldorfer Landgericht angesetzt.  © Martin Höke/dpa

Gemeinsam mit zwei Komplizen soll der Angeklagte dort am 5. Dezember 2018 einen Mann beim Einsteigen in sein Auto überwältigt haben. Anschließend war das Entführungsopfer in einen Keller im nahe gelegenen Ort Blender gebracht und dann dem Onkel überlassen worden.

Das Entführungsopfer soll zuvor dessen Mutter bestohlen und dabei Gold und Geld im Wert von einer halben Million Euro erbeutet haben. Der 23-Jährige und seine Komplizen sollen laut Anklage gewusst haben, dass er vom Sohn der Frau massiv gefoltert werden würde, damit er das Versteck der Beute preisgibt.

Dem Opfer waren damals mit einem Bunsenbrenner Verbrennungen im Gesichts-, Bein- und Genitalbereich zugefügt worden. Die Anklage stützt sich auf die Aussage des Opfers, auf DNA-Spuren am Tatort und auf mitgeschnittene Telefonate.

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Der Angeklagte habe sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert, hieß es beim Landgericht. Der 23-Jährige ist wegen Gewalt und Betrugs vorbestraft.

Das aktuelle Verfahren gegen den zur Tatzeit Heranwachsenden war zunächst von der Staatsanwaltschaft Verden in Niedersachsen geführt, dann aber an die Anklagebehörde in Düsseldorf abgegeben worden. Für den Prozess sind bis zum 6. Juli noch zwei weitere Verhandlungstage angesetzt.

Update, 22. Juni, 12.40 Uhr: Angeklagter legt Geständnis ab

Der 23-jährige Angeklagte hat zum Prozessauftakt ein Geständnis abgelegt. Er und seine Komplizen sollen laut Anklage gewusst haben, was der Onkel plant. "Es sollte nur eine Familienangelegenheit mit ein paar Ohrfeigen geklärt werden", betonte dagegen der Angeklagte in einer Erklärung, die sein Verteidiger vorlas.

Von Folter und Bunsenbrennern sei nie die Rede gewesen. Trotz dreistündiger Folter bekam der Onkel nichts zum Versteck der angeblichen Beute heraus. Das gefolterte Opfer hatte bis zuletzt beteuert, nichts über den Verbleib des Goldes zu wissen.

Titelfoto: Martin Höke/dpa

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