Grundschullehrerin überfährt Schulkind: Beim Prozess stellt sie sich als Opfer dar

Von Martin Höke

Düsseldorf - Eine Grundschullehrerin (61) ist wegen eines tödlichen Unfalls, bei dem eine Schülerin (†9) starb, zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem muss die 61-Jährige 5000 Euro an ein Kinderhospiz zahlen.

Das Neunjährige war vor vier Jahren mit dem Rad auf dem Weg zur Schule gewesen, als sie an einer Kreuzung in Düsseldorf vom Auto der Lehrerin (61) überrollt wurde. (Symbolbild)
Das Neunjährige war vor vier Jahren mit dem Rad auf dem Weg zur Schule gewesen, als sie an einer Kreuzung in Düsseldorf vom Auto der Lehrerin (61) überrollt wurde. (Symbolbild)  © 123RF/bialasiewicz

Mit dem Urteil bestätigte das Landgericht Düsseldorf am Freitag die Entscheidung der Vorinstanz.

Die Autofahrerin habe sich zweifelsfrei der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht, betonte die Vorsitzende Richterin.

Die Pädagogin hatte Anfang September 2017 eine Grundschülerin im Düsseldorfer Norden überrollt.

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Aus Sicht der Richterin hat die Angeklagte am Tattag mehrere Pflichtverstöße begangen: "Sie befuhren in einem Wohngebiet eine reine Anliegerstraße. Sie wussten von dem Schulumfeld. Es war der dritte Schultag. Das Motto 'Schule hat begonnen' - ist bekannt und sie sind zu schnell in die Kreuzung eingefahren."

Zudem sei die Pädagogin nach der Kollision weitergefahren, statt sofort zu bremsen.

Das Mädchen war vor vier Jahren mit dem Rad auf dem Weg zur Schule gewesen. An einer Kreuzung wurde die Neunjährige vom Auto der Lehrerin mit Tempo 15 angefahren und - weil die Frau nicht sofort stoppte - überrollt.

Richterin über Darstellung von Grundschullehrerin empört: "So was habe ich bisher noch nicht erlebt"

Die Lehrerin hatte argumentiert, sie habe den Unfall nicht verhindern können. Sie habe sich im Schritttempo mit äußerster Vorsicht in die Kreuzung vorgetastet und vor allem auf den Vorfahrt habenden Verkehr achten müssen.

Ihre Sicht sei durch illegal geparkte Autos eingeschränkt gewesen. Das Schulkind auf dem Fahrrad habe ihr dann auch noch die Vorfahrt genommen.

Die Richterin kritisierte, die 61-Jährige habe sich im Prozess als Opfer dargestellt: "So was habe ich bisher noch nicht erlebt", lauteten ihre Worte.

Der Verteidiger der Pädagogin verzichtete auf Rechtsmittel, womit das Urteil rechtskräftig ist.

Titelfoto: 123RF/bialasiewicz

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