Polizeikollegen im Kugelhagel im Stich gelassen: Dürfen Beamte vom Tatort fliehen?

Hagen - Dürfen Polizisten Angst haben und deshalb von einem Tatort fliehen? Diese Frage beschäftigt am morgigen Montag erneut die Justiz.

In der Berufungsverhandlung am Hagener Landgericht kämpfen zwei Polizistinnen um ihre berufliche Zukunft.
In der Berufungsverhandlung am Hagener Landgericht kämpfen zwei Polizistinnen um ihre berufliche Zukunft.  © Bernd Thissen/dpa

In der Berufungsverhandlung am Hagener Landgericht kämpfen zwei Polizistinnen um nicht weniger als um ihre berufliche Zukunft. Die Beamtinnen hatten im Mai 2020 zwei Kollegen allein gelassen, als diese bei einer Verkehrskontrolle in Gevelsberg plötzlich von einem Autofahrer beschossen worden waren.

Das Amtsgericht hatte sie dafür in erster Instanz wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung im Amt durch Unterlassen jeweils zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Ein Jahr Haft ist im Beamtenrecht eine magische Grenze: Wird sie erreicht oder überschritten, verliert ein Beamter zwingend seinen Job. Bei Strafen, die darunter liegen, entscheidet ein Disziplinarverfahren über die Konsequenzen.

Nach Plänen zu Terroranschlag an Essener Gymnasium: Prozess gegen 17-Jährigen soll im Dezember starten!
Gerichtsprozesse NRW Nach Plänen zu Terroranschlag an Essener Gymnasium: Prozess gegen 17-Jährigen soll im Dezember starten!

Bei der Verkehrskontrolle in Gevelsberg waren innerhalb weniger Sekunden mehr als 20 Schüsse abgegeben worden. Einer der Streifenpolizisten wurde getroffen und ging zu Boden.

Polizistinnen erklären Flucht mit Todesangst

In erster Instanz hatten die beiden Angeklagten ihre Flucht vom Tatort mit Todesangst erklärt. (Symbolbild)
In erster Instanz hatten die beiden Angeklagten ihre Flucht vom Tatort mit Todesangst erklärt. (Symbolbild)  © Marijan Murat/dpa

Seine schusssichere Weste bewahrte ihn vor ernsthaften Verletzungen oder gar dem Tod. Die beiden Polizistinnen waren zufällig am Tatort vorbeigefahren.

Sie beobachteten das Geschehen und erkannten auch, wie ihr Kollege umfiel. Dennoch griffen sie nicht ein, sondern entfernten sich aus der Gefahrenzone.

In erster Instanz hatten die beiden Angeklagten ihre Flucht mit Todesangst erklärt. Sie hätten jeden Moment damit gerechnet, selbst getroffen zu werden. Auf eine solche Situation würde kein Polizist in seiner Ausbildung wirklich vorbereitet, sagten die Beamtinnen.

Gericht hat entschieden: Saftige Geldstrafe und Knast für versuchten Mord an Nachbarn!
Gerichtsprozesse NRW Gericht hat entschieden: Saftige Geldstrafe und Knast für versuchten Mord an Nachbarn!

Das Hagener Landgericht wird in der Berufung nun die gesamte Beweisaufnahme noch einmal durchführen.

Bestätigt die Kammer am Ende das erstinstanzliche Urteil, dürften die Angeklagten nie wieder als Polizistinnen arbeiten.

Titelfoto: Marijan Murat/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse NRW: