Riesige verbotene Zigarrettenfabrik in Deutschland entdeckt: 12 Männer vor Gericht

Düsseldorf - Der Prozess um eine der größten jemals in Deutschland entdeckten illegalen Zigarettenfabriken beginnt am heutigen Donnerstag (10 Uhr) in Düsseldorf.

Der Zoll und die Bundespolizei hatten die riesige verbotene Zigarettenfabrik im August 2020 an der deutsch-niederländischen Grenze entdeckt.
Der Zoll und die Bundespolizei hatten die riesige verbotene Zigarettenfabrik im August 2020 an der deutsch-niederländischen Grenze entdeckt.  © Henning Kaiser/dpa

Das Landgericht Kleve weicht für das Verfahren gegen zwölf Angeklagte in den Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts aus.

Nach Angaben von Zollfahndern hatte die im August 2020 in Kranenburg an der deutsch-niederländischen Grenze entdeckte Anlage zehn Millionen Zigaretten pro Woche produziert.

Der Steuerschaden beträgt laut Anklage fast sechs Millionen Euro.

Zwölf Männer im Alter von 28 bis 60 Jahren sind wegen Steuerhinterziehung, Steuerhehlerei und Verstoßes gegen das Markengesetz angeklagt.

Laut Staatsanwaltschaft wurden binnen eines Monats rund 28,5 Millionen Zigaretten hergestellt.

Womöglich lief die Produktion aber bereits seit Ende 2016, hatten Zollfahnder berichtet.

Illegale Zigaretten für britischen Markt

Die Zigaretten sollen für den britischen Schwarzmarkt mit seinen hohen Tabakpreisen bestimmt gewesen sein.

Am Einsatz waren damals über 200 Kräfte der Zollverwaltung, der Bundespolizei sowie des Technischen Hilfswerkes beteiligt.

Update, 15.29 Uhr: Angeklagte gingen von seriöser Produktion mit Arbeitsvertrag aus

Einer der Angeklagten (rechts) vor Gericht.
Einer der Angeklagten (rechts) vor Gericht.  © Frank Christiansen/dpa

Mehrere Verteidiger betonten, ihre osteuropäischen Mandanten seien von der Seriosität der Produktion ausgegangen. Sie seien als Fremdarbeiter in ihren Heimatländern angeworben worden, hätten Arbeitsverträge unterschrieben und seien zum Teil erstmals in Deutschland gewesen.

"Aus ihrer Sicht war das eine normale Tätigkeit", sagte eine Anwältin am Donnerstag.

Es handele sich keineswegs um "Mitglieder einer Zigarettenmafia", sagte ein Anwalt, sondern oft um unbescholtene, hart arbeitende Familienväter.

Sie hätten Arbeitsverträge unterschrieben, die ihnen 1600 Euro Monatslohn für schwere körperliche Arbeit zusicherten.

"Auch aus Sicht er Staatsanwaltschaft dürfte es sich um kleine Fische handeln", sagte ein Verteidiger.

Dennoch seien sämtliche Angeklagte bereits seit einem halben Jahr hinter Gittern. "Mein Mandant hat Paletten mit Kartons auf Lkw verladen. Er wusste nicht einmal, was in den Kartons war", sagte ein Anwalt. Dennoch seien den Angeklagten bereits millionenschwere Steuerbescheide zugestellt worden.

Die Staatsanwältinnen sind der Ansicht, die Angeklagten hätten bemerken müssen, dass es sich um eine illegale Produktion handelt. So seien die Arbeiter angewiesen gewesen, das Gebäude nicht zu verlassen und die Verladezeiten so kurz wie möglich zu halten.

Eine Gerichtssprecherin sagte, ein Drahtzieher der illegalen Produktion befinde sich auch laut Anklage nicht unter den Beschuldigten. Das Landgericht Kleve war für das Verfahren gegen zwölf Angeklagte in den Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts ausgewichen.

Titelfoto: Henning Kaiser/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse NRW:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0