Angreifer sticht 22-jährigem Bar-Gast ins Herz und bekommt Freispruch

Gütersloh/Bielefeld – Weil er einen Besucher in einer Gaststätte niedergestochen haben soll, musste sich ein Gütersloher nun vor dem Bielefelder Landgericht verantworten. Doch der Fall weist seine Tücken auf.

Der 27-Jährige wurde vor dem Bielefelder Landgericht frei gesprochen.
Der 27-Jährige wurde vor dem Bielefelder Landgericht frei gesprochen.  © DPA

Die IV. Große Strafkammer des Gerichts wurde vor eine große Aufgabe gestellt, denn weder das Opfer noch der mutmaßliche Täter konnten sich laut Berichten der Neuen Westfälischen an die Einzelheiten der Tat erinnern.

Laut Anklage wird dem 22-Jährigen vorgeworfen, am 25. September 2016 im Biergarten des Journal an der Kaiserstraße einem Gast mit einem Werkzeug in die Brust gestochen und lebensgefährlich verletzt zu haben (TAG24 berichtete).

Zeugen sagten aus, ein klirrendes Glas gehört und eine fliehende Person gesehen zu haben. Dann fanden sie das schwer verletzte Opfer.

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Weil der Stich in die Brust eine Herzkammer verletzt hatte, flog ein Rettungshubschrauber 27-jährigen Studenten sofort in eine Klinik, wo er notoperiert wurde. Nach eigener Aussage leide er noch heute unter den Folgen der Verletzung.

Keine Erinnerung an Straftat

Die Spurensicherung ermittelte nach der Bluttat im Außenbereich der Gaststätte.
Die Spurensicherung ermittelte nach der Bluttat im Außenbereich der Gaststätte.  © Andreas Eickhoff

Der Angreifer war zum Tatzeitpunkt nicht nur alkoholisiert, sondern auch auf Kokain, wie sein Verteidiger Detlev Binder bei der ersten Verhandlung im Oktober preisgab. An die Tat könne er sich folglich nicht erinnern.

Da aber auch der 27-Jährige aus Gütersloh aufgrund des Alkoholkonsums keine detaillierten Erinnerungen mehr vorweisen konnte, forderte Binder Freispruch für seinen Mandanten.

Dem folgte die IV. Strafkammer und sprach ihn Donnerstagabend frei. Einerseits können ihm die Taten nicht nachgewiesen werden, andererseits seien die Zweifel zu groß, dass der Abend sich anders zugetragen hätte.

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Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung des Angeklagten wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu sechs Jahren Haft gefordert. Der Haftbefehl gegen den 22-Jährigen wurde unterdessen aufgehoben.

Titelfoto: Andreas Eickhoff

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