Schon wieder Ärger im Polizistenmord-Prozess: Plädoyers verzögern sich

Kaiserslautern/Kusel - Im Prozess um die tödlichen Schüsse auf zwei Polizisten in der Westpfalz werden sich die eigentlich für heute um 9 Uhr geplanten Plädoyers verzögern.

Der 39 Jahre alte Hauptangeklagte (r.) soll im vergangenen Januar bei Kusel zwei Polizisten erschossen haben.
Der 39 Jahre alte Hauptangeklagte (r.) soll im vergangenen Januar bei Kusel zwei Polizisten erschossen haben.  © Uwe Anspach/dpa-Pool/dpa

Die Verteidigung des Hauptangeklagten hatte zu Beginn des Prozesstages einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter gestellt.

Es gebe Zweifel an der Unparteilichkeit von Raphael Mall, sagte der Anwalt des Hauptangeklagten vor dem Landgericht Kaiserslautern.

Begründung: Mall habe in einem anderen Verfahren einem Mithäftling des Hauptangeklagten eine Frage zu einer seiner Aussagen gestellt.

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"Es gibt keine Gründe, die eine Befangenheit begründen", sagte Oberstaatsanwalt Stefan Orthen. Der Antrag sei als unzulässig abzuweisen.

Es werde hier "wieder mal Unsinn erzählt", der nur dazu führe, dass der Prozess nicht weitergehe.

Mall sagte, er habe dem Mithäftling keine Frage gestellt, sondern ihm gegenüber nur eine Feststellung geäußert. Die Kammer zog sich zunächst zu Beratungen über den Antrag zurück.

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Der Nebenangeklagte (33, l.) muss sich vor dem Landgericht Kaiserslautern wegen versuchter Strafvereitelung verantworten.
Der Nebenangeklagte (33, l.) muss sich vor dem Landgericht Kaiserslautern wegen versuchter Strafvereitelung verantworten.  © Uwe Anspach/dpa-Pool/dpa

Bereits vor zwei Wochen waren Verteidigung und Anklage im Gerichtssaal heftig aneinander geraten, weil der Anwalt neue Beweisanträge gestellt hatte.

Auch da hatte Orthen der Verteidigung vorgeworfen, das Verfahren in die Länge ziehen zu wollen. Richter Mall hatte die Anträge nach längerer Beratung schließlich abgelehnt.

Am 31. Januar waren ein 29 Jahre alter Polizeikommissar und eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin bei einer nächtlichen Verkehrskontrolle an einer Kreisstraße nahe Kusel erschossen worden.

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Als mutmaßlicher Schütze steht seit Mitte Juni ein 39-Jähriger wegen zweifachen Mordes vor Gericht. Er soll die beiden Polizisten getötet haben, um Jagdwilderei zu verdecken.

Nebenangeklagter ist ein 33-Jähriger, der sich wegen versuchter Strafvereitelung verantworten muss.

Er soll beim Verwischen der Spuren geholfen haben. Zudem werden beide Männer der gewerbsmäßigen Wilderei zur Nachtzeit beschuldigt.

Nach psychiatrischen Gutachten sind beide voll schuldfähig. Das Urteil soll am 30. November fallen.

Update: 11.40 Uhr; Erstmeldung: 6.59 Uhr.

Titelfoto: Bild-Montage: Uwe Anspach/dpa-Pool/dpa, Uwe Anspach/dpa-Pool/dpa

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