Trotz Persönlichkeitsstörung: Halle-Attentäter Stephan Balliet voll schuldfähig!

Magdeburg - Stephan Balliet (28), der Angeklagte im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle ist nach Einschätzung einer Psychologin durchschnittlich intelligent.

Der angeklagte Stephan Balliet (28) sitzt zu Beginn des 18. Prozesstages am 3. November im Landgericht.
Der angeklagte Stephan Balliet (28) sitzt zu Beginn des 18. Prozesstages am 3. November im Landgericht.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Ein Test habe einen IQ-Wert von 105 ergeben, das sei ein durchschnittlicher Wert, sagte die Gutachterin am Dienstag vor Gericht. 

Auch die kognitiven Fähigkeiten von Stephan Balliet sind demnach unauffällig. Außerdem bescheinigte die Psychologin dem Angeklagten Anzeichen von Depression, Paranoia und eine gewisse Naivität.

Das sogenannte testpsychologische Zusatzgutachten der Psychologin soll das psychiatrische Gutachten über den Angeklagten, das ein forensischer Psychiater am Nachmittag vorlegen sollte, ergänzen. 

Die Psychologin untersuchte Balliet dafür rund drei Stunden lang während seiner Untersuchungshaft und legte ihm dafür mehrere Fragebögen vor. Bei der Beantwortung habe der Angeklagte oft und an merkwürdigen Stellen gelacht und außerdem einige Formulierungen korrigiert, berichtete die Psychologin.

Das Verfahren um den Anschlag läuft seit Juli. Am 9. Oktober 2019 hatte der schwer bewaffnete Stephan B. versucht, die Synagoge von Halle zu stürmen, um dort am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein Massaker anzurichten (TAG24 berichtete).

Update, 15.25 Uhr: Stephan Balliet voll schuldfähig

Der angeklagte Stephan Balliet (M.) neben seinen Verteidigern Hans-Dieter Weber (l.) und Thomas Rutkowski im Landgericht.
Der angeklagte Stephan Balliet (M.) neben seinen Verteidigern Hans-Dieter Weber (l.) und Thomas Rutkowski im Landgericht.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Das mit Spannung erwartete psychiatrische Gutachten im Halle-Prozess bescheinigt dem Angeklagten eine volle Schuldfähigkeit. 

"Eine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit aus psychiatrischer Sicht ist nicht anzunehmen", sagte der eingesetzte forensische Psychiater am Dienstag vor Gericht. 

Zwar diagnostizierte er dem Angeklagten eine schwere komplexe Persönlichkeitsstörung sowie Anzeichen für Paranoia und Autismus. Die Steuerungsfähigkeit und das Unrechtsbewusstsein des Mannes seien aber nicht beeinträchtigt, resümierte der Gutachter. Beide Punkte sind entscheidend für die Beurteilung der Schuldfähigkeit.

Anders als Täter, die im Wahn handeln, habe der Angeklagte seine Tat minutiös geplant und sei in der Lage gewesen, mit dem Anschlag auf einen ihm günstig scheinenden Anlass zu warten. Dazu seien Täter, die im Wahn handeln, nicht in der Lage. 

Einsicht oder gar Bedauern habe der Angeklagte nicht gezeigt, sagte der Psychiater, der den Angeklagten etwa zwölf Stunden während seiner Untersuchungshaft gesprochen und untersucht hatte. Deshalb sei mit einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Mann vergleichbare Taten wieder verüben würde, falls es ihm möglich wäre. 

Auf dieser Grundlage könnte das Gericht im Falle eines Schuldspruchs eine Sicherheitsverwahrung nach der Freiheitsstrafe verhängen.

Stephan Balliet hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen Verschwörungstheorien begründet. 

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

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