Halle-Prozess: Welche Musik hörte der Attentäter während seines Anschlags?

Magdeburg - Den Tathergang beim rechtsterroristischen Anschlag von Halle hat das Gericht anhand zahlreicher Zeugen und Gutachten beleuchtet. Am heutigen Mittwoch ab 9.30 Uhr geht es erstmals um das Verhalten des Attentäters Stephan Balliet (28) nach dem Anschlag.

Stephan Balliet (28) am 16. Verhandlungstag mit einem seiner Anwälte.
Stephan Balliet (28) am 16. Verhandlungstag mit einem seiner Anwälte.  © Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa

Die ersten Monate seiner Untersuchungshaft hatte der Angeklagte in der JVA Halle verbracht, wo er Ende April, begünstigt durch nachlässige Bewachung, einen am Ende erfolglosen Fluchtversuch unternahm.

Ein Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin des Gefängnisses sollen am Mittwoch aussagen.

Nach dem Fluchtversuch war der Angeklagte in das Hochsicherheitsgefängnis in Burg verlegt worden (TAG24 berichtete). Auch zwei Mitarbeiter von dort sind am Mittwoch als Zeugen geladen.

Außerdem will das Gericht mehrere Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) befragen, die an den Ermittlungen zu dem Anschlag beteiligt waren.

Dabei geht es etwa um die Aktivitäten des Mannes im Internet. Eine BKA-Expertin soll außerdem die Musik erläutern, die der Attentäter während des Anschlags abspielte. Auf dem Tatvideo waren zahlreiche Rap-, Pop- und Elektro-Songs von Künstlern aus der rechtsextremen Szene mit menschenverachtenden Texten zu hören.

Das Verfahren um den Anschlag läuft seit Juli. Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, die Synagoge von Halle zu stürmen, um dort am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein Massaker anzurichten.

Nachdem ihm das nicht gelungen war, erschoss er vor der Synagoge die 40-jährige Jana L. und kurz darauf den 20-jährigen Kevin S. in einem Döner-Imbiss. Der 28 Jahre alte Deutsche Stephan Balliet hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen Verschwörungstheorien begründet.

Der Prozess läuft vor dem Oberlandesgericht Naumburg, findet aus Platzgründen aber in Magdeburg statt.

UPDATE, 13 Uhr: Erneut scharfe Kritik an BKA-Ermittlungen im Halle-Prozess

Im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle haben Anwälte der Nebenklage erneut scharfe Kritik an den Ermittlungen der Bundesbehörden geübt. "Wir kriegen hier ständig Versatzstücke vom BKA", kritisierte Anwalt David Hermann.

Es habe offenbar keine ganzheitlichen Ermittlungen gegeben. "Wenn wir hier einen Internet-affinen 18-Jährigen hingesetzt hätten, hätte der uns wahrscheinlich mehr erzählen können." Er sei "maßlos enttäuscht und entsetzt" von der Ermittlungsarbeit der BKA-Ermittler.

Anlass war die Aussage einer Ermittlerin am Mittwoch, die die Musik des Angeklagten analysiert hatte. Wie schon andere BKA-Beamte vor ihr konnte sie mehrere Fragen der Nebenklage-Vertreter nicht beantworten, da die Hintergründe nicht zu ihrer Aufgabe gehört hätten.

Der Attentäter hatte einen MP3-Player mit zwölf Songs bei seiner Tat dabei gehabt und die über Lautsprecher abgespielt. Bei nur drei Songs davon sah die Ermittlerin Bezüge zur Tat.

Der Text eines Liedes handelt von einem Terroristen, der mit einem Auto in einem Menschenmenge fährt. Dass auch der Halle-Attentäter versuchte, Menschen mit dem Auto zu überfahren, wusste die Ermittlerin nicht.

Titelfoto: Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa

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