Kugelschreiber in Hals gerammt: Angeklagter wollte "Denkzettel" verpassen

Halle (Saale) - Im Prozess gegen einen 39 Jahre alten Mann, der im Gefängnis einem Mithäftling einen Kugelschreiber in den Hals gerammt hat, haben am heutigen Freitag zwei Gutachter ausgesagt.

In Halle steht ein 39-jähriger Mann wegen eines Kugelschreiber-Angriffs vor Gericht. (Symbolbild)
In Halle steht ein 39-jähriger Mann wegen eines Kugelschreiber-Angriffs vor Gericht. (Symbolbild)  © Peter Endig/ZB/dpa

Zum Tatzeitpunkt am 7. Januar 2020 habe der Gefangene nicht unter Alkohol und Drogen gestanden, sagte eine psychiatrische Gutachterin am Landgericht Halle.

Der Mann gab an, dass der Mitgefangene die Hand zu einer Waffe geformt und er sich davon bedroht gefühlt habe. Er habe ihm einen "Denkzettel" verpassen wollen.

Der Angeklagte war den Angaben zufolge kurz vor der Tat aus dem Gefängnis Burg nach Halle verlegt worden. In Burg habe er sich auffällig verhalten. Genauer ausgeführt wurde das nicht.

Ein rechtsmedizinischer Gutachter sagte, der Angriff mit dem Kugelschreiber sei geeignet gewesen, lebensgefährliche Verletzungen zu verursachen. Es habe aber keine unmittelbare Lebensbedrohung bestanden.

Angeklagter bestreitet Tat nicht

Die Staatsanwaltschaft hat den 39-Jährigen wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagt (TAG24 berichtete).

Demnach soll der Mann am 7. Januar dieses Jahres im Gefängnis in Halle beim Freigang auf dem Hof den Mitgefangenen unvermittelt angegriffen und schwer verletzt haben. Der Angeklagte bestreitet die Tat nicht.

Der Angegriffene hatte zum Prozessauftakt im November gesagt, er habe jemanden mit einer Geste mit drei erhobenen Fingern gegrüßt. Es habe sich nicht um eine Bedrohung gehandelt. Ein Zeuge bestätigte das.

Sollte der Angeklagte, der aus dem Iran stammt, verurteilt werden, erwartet ihn eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren und neun Monaten. Voraussichtlich werden am Freitag noch die Plädoyers gehalten. Eventuell fällt auch das Urteil.

UPDATE, 4. Dezember, 14.45 Uhr:

Dem 39 Jahre alten Mann, der im Gefängnis einem Mithäftling einen Kugelschreiber in den Hals gerammt haben soll, ist einer Gutachterin zufolge psychisch erkrankt.

Sie habe eine paranoide Schizophrenie festgestellt, der Mann habe von Wahnvorstellungen berichtet, sagte die Gutachterin am Freitag im Landgericht Halle. Sie führt die erhöhte Reizbarkeit des Angeklagten auf die bislang nicht behandelte Erkrankung zurück.

Anders als zunächst angepeilt wurden am Freitag keine Plädoyers gehalten. Das könnte nun beim nächsten angesetzten Verhandlungstermin am 16. Dezember geschehen. Dann könnte auch das Urteil fallen.

Titelfoto: Peter Endig/ZB/dpa

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