Security wegen Misshandlung eines Asylbewerbers angeklagt: Zeuge erscheint nicht vor Gericht

Halberstadt - Im August 2019 taucht ein aufsehenerregendes Video zu einem Vorfall mit Sicherheitsleuten und Asylsuchenden auf - Monate nach dem Geschehen. Jetzt stehen drei der Wachleute wegen mutmaßlicher Misshandlungen vor Gericht. Sie schildern ihre Sicht des Geschehens.

In der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber in Halberstadt soll ein Mann getreten und geschlagen worden sein. (Archivbild)
In der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber in Halberstadt soll ein Mann getreten und geschlagen worden sein. (Archivbild)  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Die drei Männer, die als Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes einen Asylbewerber misshandelt haben sollen, müssen sich seit Montag vor dem Amtsgericht Halberstadt verantworten.

Bei einer Einlasskontrolle in der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (Zast) in Halberstadt sollen sie den Mann am 13. April 2019 laut Staatsanwaltschaft getreten und geschlagen haben.

Die Anklagebehörde wirft den Männern im Alter von 34, 44 und 52 Jahren gefährliche Körperverletzung vor.

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Der Asylbewerber soll laut Anklage die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes als Rassisten und Nazis beschimpft, gedroht und gespuckt haben. Er habe sich auch nicht wie vorgeschrieben ausweisen wollen.

Zum Auftakt der Verhandlung wiesen die Angeklagten den Vorwurf der Misshandlung zurück. Es sei darum gegangen, die Situation mit dem stark alkoholisierten und aggressiven Asylbewerber in den Griff zu bekommen und zu deeskalieren.

Sicherheitsleute nach Video entlassen

Drei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes müssen sich vor dem Amtsgericht Halberstadt verantworten. (Symbolbild)
Drei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes müssen sich vor dem Amtsgericht Halberstadt verantworten. (Symbolbild)  © 123RF/animaflorapicsstock

Der Mann habe seinen Ausweis bei der Rückkehr aus der Stadt in der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber nicht zeigen wollen, die Wachleute beschimpft, bedroht und bespuckt.

Im Anschluss an den Vorfall sei der Asylbewerber von einem Sanitäter untersucht worden. Der Vorfall sei in einem Wachschutzprotokoll festgehalten worden.

Das Geschehen aus dem April 2019 war erst im August öffentlich geworden, weil ein Video im Internet auftauchte.

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Der Standortleiter der Aufnahmestelle, Eckhardt Stein, sagte im Amtsgericht als Zeuge, es habe in der Zwischenzeit auch "keine Gerüchteküche" gegeben.

Was auf dem Video zu sehen sei, sei seiner Einschätzung nach nicht tolerierbar gewesen. Wegen der Brisanz habe er sofort die Fachaufsicht informiert.

Die Sicherheitsdienstmitarbeiter waren kurz darauf suspendiert worden, Ermittlungen wurden eingeleitet. Aufgrund der Notiz des Sicherheitsdienstes im April habe er keinen Anlass zum Nachhaken gesehen, so Stein. Alle drei Männer verloren ihren Job in der Zast, hieß es im Gericht.

Asylbewerber nicht vor Gericht erschienen

In der Zast kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen. (Archivbild)
In der Zast kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen. (Archivbild)  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Stein sagte, bei Bedrohungen und körperlichen Angriffen durch Asylbewerber sei der Wachdienst angehalten, Anzeige zu erstatten. Das sei in diesem Fall nicht geschehen.

Ein Angeklagter, 44 Jahre alter ehemaliger Sicherheitsmann in der Zast, sagte, man habe immer versucht, Situationen zu deeskalieren und die Polizei zu entlasten.

Es habe im konkreten Fall für ihn auch nicht danach ausgesehen, dass es rechtliche Folgen für den Asylbewerber haben könnte. "Ich kenne die Geschichte nicht, ich weiß nicht, was da dahintersteckt an Leid", sagte er mit Bezug auf den Alkoholkonsum des Bewohners. Dieser sei schon öfter betrunken in der Zast aufgetaucht und habe sich aggressiv verhalten.

An dem Tattag sei er gemeinsam mit mehreren anderen Bewohnern in die Einrichtung am Stadtrand zurückgekehrt. Er habe nach Alkohol gerochen und Koordinierungsprobleme gehabt, gespuckt, sich als Taliban bezeichnet und gedroht.

Weil er ohne sich auszuweisen an der Wache vorbeigegangen sei, seien ihm die Sicherheitsmitarbeiter nachgeeilt. Der 44-Jährige sagte, weil er durch eine Armbewegung einen vermeintlichen Steinwurf erkannte, habe er sich bedroht gefühlt und wollte den Mann zu Boden bringen. Er habe dazu dosierte Bewegungen, etwa einen Tritt, aus dem Kampfsport genutzt, die nicht auf Verletzungen abzielten.

Der Asylbewerber war für Montag als Zeuge geladen, erschien aber nicht. Es wird nun für den 4. Februar ein neuer Anlauf unternommen, ihn zu vernehmen. Dann sollen auch die Plädoyers gehalten und ein Urteil gesprochen werden. Der Aufenthalt zweier weiterer Asylbewerber, die dabei gewesen sein sollen, ist laut Richterin Brit Wischwill unbekannt.

Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

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