Weiteres psychiatrisches Gutachten? Nächster Anlauf für die Plädoyers im Halle-Prozess

Magdeburg - Nachdem der Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle am Dienstag ins Stocken geriet (TAG24 berichtete), könnte das Gericht am heutigen Mittwoch (9.30 Uhr) die Beweisaufnahme schließen.

Stephan Balliet (28, r.) werden 13 Straftaten vorgeworfen, unter anderem Mord und versuchten Mord.
Stephan Balliet (28, r.) werden 13 Straftaten vorgeworfen, unter anderem Mord und versuchten Mord.  © Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa

Dann könnten die Prozessbeteiligten mit den Plädoyers beginnen. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die vorsitzende Richterin Ursula Mertens einen Antrag der Verteidigung auf einen weiteren Gutachter ablehnt.

Sollte das Gericht dem Antrag hingegen zustimmen, könnte der Gutachter frühestens Anfang Dezember vernommen werden und vorher auch die Beweisaufnahme nicht geschlossen werden.

Das Gericht hatte zuvor angekündigt, dass möglicherweise schon bei der Verhandlung am Dienstag die Plädoyers beginnen könnten. Daraus wurde allerdings nichts, da Nebenklage und Verteidigung noch zahlreiche Anträge stellten.

Die Verteidigung hatte am Dienstag Zweifel an der Vollständigkeit des psychiatrischen Gutachtens über den Angeklagten Stephan Balliet angemeldet und daher den zusätzlichen Gutachter beantragt.

Der Angeklagte hatte angegeben, nachdem er an der Tür der Synagoge gescheitert war, seine Umgebung nur noch in einem durchgehenden Rotton gesehen zu haben. Die Verteidigung hält das für ein Anzeichen von Migräne, der Angeklagte sei dadurch möglicherweise beeinträchtigt gewesen. Da der psychiatrische Gutachter dem nicht folgen wollte, beantragten die Anwälte des Angeklagten, noch einen Neurologen dazu zu befragen.

Neben dem Antrag der Verteidigung muss das Gericht auch noch über mehrere Anträge der Nebenklage entscheiden. So hatten Anwälte von Überlebenden am Dienstag unter anderem gefordert, noch den Extremismus-Forscher Matthias Quent als Sachverständigen zu befragen.

Am 9. Oktober 2019 hatte Stephan Balliet versucht, 51 Menschen zu töten, die in der Synagoge von Halle den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten. Schließlich erschoss er eine Passantin, später noch einen jungen Mann in einem Döner-Imbiss und verletzte weitere Menschen (TAG24 berichtete).

Titelfoto: Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa

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