Fast 110.000 Euro abgezockt! Trauerredner schwatzte Omas ihr Erspartes ab

Görlitz - Er ist gut gebuchter Moderator auf Messen, wird für einfühlsame Reden auf Trauerfeiern geschätzt, sorgt wahlweise für Stimmung auf Hochzeiten. Kurz: Reden kann er. Doch genau das brachte Alexander S. (49) nun vor den Amtsrichter in Görlitz.

Alexander S. (49) musste im Amtsgericht Rede und Antwort stehen.
Alexander S. (49) musste im Amtsgericht Rede und Antwort stehen.  © Jens Kaczmarek

Er hatte zahlreichen Anlegern mit falschen Versprechen ihr Geld regelrecht "abgeschwatzt". Schaden: fast 110.000 Euro.

"Er war so nett und ich war froh, dass sich jemand persönlich kümmert", erzählte Ute B. (81). Sie vertraute Alexander S. die Aufbesserung ihre Altersvorsorge an.

Doch laut Anklage legte der Finanzberater die Gelder nie an, schon gar nicht für sechs Prozent Zinsen, sondern finanzierte damit seinen Lebensunterhalt.

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"Irgendwann merkte ich, dass was nicht stimmt", sagte die Seniorin. "Aber er sagte immer, das Geld ist sicher, Sie brauchen keine Angst haben." Am Ende waren 18.500 Euro futsch.

Auch Inge D. (81) aus dem Erzgebirge gab dem Schwindler ihre Ersparnisse. Der Dame, die auf den Rollator angewiesen ist, und deren ebenfalls betagten Mann versprach Alexander, ihr Geld zu vermehren.

"Er war so fürsorglich", berichtet die Frau, die ihm letztlich über 45.000 Euro anvertraute!

Staatsanwalt: "Das war rotzfrech und dreist"

Ute B. (81) vertraute dem Moderator und wurde maßlos enttäuscht.
Ute B. (81) vertraute dem Moderator und wurde maßlos enttäuscht.  © Jens Kaczmarek

"Es tut mir leid", so der Moderator. "Ich kann mein Verhalten aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehen. Das lief alles aus dem Ruder." Er habe mit seiner Firma eigentlich Start-ups der Region fördern wollen, dafür Gelder eingesammelt.

Der Staatsanwalt konterte: "Das war rotzfrech und dreist. Sie haben sich so auch Zugang zu Wirtschaftskreisen erschlichen, um Geld für Ihren Lebensstil zu bekommen!"

Auch der Richter konstatierte: "Sie haben gewusst, dass Sie den Leuten das Blaue vom Himmel versprechen."

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Weil Alexander S. nicht vorbestraft ist, sich verpflichtete, Oma Inge mindestens 40.000 Euro zurückzuzahlen und "nie wieder Finanzgeschäfte" zu vermitteln, kam er mit Bewährung davon (zwei Jahre).

Zusätzlich muss er sich bemühen, auch den restlichen Schaden zu tilgen.

Titelfoto: Jens Kaczmarek

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