Für Nazis gespendet? Prozess gegen Chef eines Dresdner Planungsbüros

Dippoldiswalde/Dresden - Ungebildet, arbeitslos, am Rande der Gesellschaft - so ein gängiges Klischee über Neonazis. Dass dumpfe Nazi-Propaganda durchaus auch aus gutbürgerlichen Kreisen unterstützt wird, könnte bald das Amtsgericht Dippoldiswalde urteilen.

Das Amtsgericht Dippoldiswalde verhandelt gegen einen Ingenieur, der eine Nazi-Seite unterstützt haben soll.
Das Amtsgericht Dippoldiswalde verhandelt gegen einen Ingenieur, der eine Nazi-Seite unterstützt haben soll.  © Thomas Türpe

Dort muss sich der Geschäftsführer eines erfolgreichen Planungsbüros in Dresden wegen Volksverhetzung verantworten. Bis zu einem Urteil wird es aber noch dauern.

An mehreren repräsentativen Gebäuden Dresdens hat das Büro des Beschuldigten mitgewirkt, auch am Uniklinikum in Tübingen.

Weniger repräsentativ: eine noch immer aktive Seite im Internet. Neben Hitler-Bildern und Nazi-Parolen wird dort auch ganz offen der Holocaust geleugnet.

Kein Wunder, dass die Seite immer wieder bei "Netzverweis" angezeigt wird, der Online-Meldestelle gegen Hassseiten, die vom Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern betrieben wird.

"Im Oktober wurden wir auf die Seite hingewiesen", sagt der dort tätige Silvio R. (41). "Letztendlich war dort zu sehen, dass der Holocaust geleugnet und Adolf Hitler in den Himmel gelobt wird."

Widerspruch gegen den Strafbefehl eingelegt

Die Staatsanwaltschaft nahm sich der Sache an, entdeckte einen Spendenaufruf, ebenfalls mit Hitler-Bildern versehen, und eine Kontonummer in Österreich. Wer die Hetzseite unterstützen will, soll das unter dem Verwendungszweck "Freiwillige Zuwendung" tun.

Genau das wird jetzt dem Chef des Dresdner Planungsbüros vorgeworfen: Am 4. Februar 2019 soll er 200 Euro auf diese Weise überwiesen haben. Er selbst legte gegen den Strafbefehl Widerspruch ein, äußerte sich aber nicht zu den Vorwürfen. Ermittler Silvio R. konnte dazu aber auch nichts weiter sagen, da die Kontoermittlung erst bei der Schweriner Staatsanwaltschaft erfolgte.

Nun muss erst der zuständige Sachbearbeiter vernommen werden, bis dahin ist der Prozess ausgesetzt.

Titelfoto: Thomas Türpe

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