Nach Beiß-Attacke auf Polizistin: "Friedenspolitiker" vor Gericht

Pirna - "Ich bin der Bundesvorsitzende der Deutschen Friedensunion", erklärte Werner K. (79) der Amtsrichterin in Pirna. Sonderlich friedlich war der frühere Stadtrat aus Dresden, der einst für die Volkssolidarität, später für die NPD agierte, aber laut Anklage nicht: Er hatte eine Polizistin gebissen.

Werner K. (79) hatte angeblich keine Erinnerungen an seine Beißattacke.
Werner K. (79) hatte angeblich keine Erinnerungen an seine Beißattacke.  © Peter Schulze

"Das sind völlig falsche Anschuldigungen", schimpfte der streitbare Dresdner, der inzwischen zum Islam übergetreten ist und nach eigenen Angaben eine Dissertation über Goethes "West-östlichen Divan" verfasste.

Laut Anklage griffen vier Polizisten Werner K. in Dohna auf. Er hatte eine Geldstrafe nicht bezahlt ("Ich habe da keinen Überblick") und sollte ersatzweise in Haft.

Doch er wollte nicht in den Funkwagen steigen, brüllte "Polizeigewalt", ließ sich fallen, trat um sich und schlug den Kopf immer wieder auf den Asphalt.

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Eine Polizistin, die seinen Kopf schützen wollte, biss Werner K. in die rechte Hand. Ihr Handschuh "bremste" seine Zähne ab.

Im Prozess redete Werner K. von allem Möglichen, vor allem von der Willkür gegen ihn. Stellte ihm die Richterin konkrete Fragen, schimpfte er: "Sie lassen mich nicht ausreden", oder erklärte, er habe "vermutlich Bewusstseinsstörungen".

Kurz: Er konnte oder wollte sich nicht zum Tatvorwurf äußern.

Angeklagter hat Sonderwünsche

Entnervt unterbrach die Richterin den Prozess. Verhandelt wird nun neu, wenn Werner K. einen Pflichtverteidiger zur Seite hat. Ein Gesprächstermin bei dem Verteidiger wurde bereits für Mittwoch vereinbart.

"Aber früh", erbat sich Werner K. "Mittags ist in Dresden eine Friedensversammlung. Da muss ich unbedingt hin ..."

Titelfoto: Peter Schulze

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