Spielsucht mit Ticket-Abzocke finanziert: "Im Knast geht es mir gut"

Bautzen - "Wenn ich spiele, geht es mir gut", erklärte Alexander L. (37) im Amtsgericht Bautzen. "Da bin ich in meiner eigenen Welt." Doch die Spielsucht finanzierte der gelernte Eventmanager auf die krumme Tour.

Alexander L. (37) gestand seine Taten unumwunden ein.
Alexander L. (37) gestand seine Taten unumwunden ein.  © Peter Schulze

Er verkaufte Konzerttickets, die er nie ausliefern konnte. Nun sitzt er wegen 173-fachen Betrugs auf der Anklagebank.

Heimspiele von Borussia Dortmund, Schlagershows mit Florian Silbereisen, Konzerte von Seeed, Billie Eilish oder den Foo Fighters - Alexander aus Bautzen hatte alles im Angebot.

Im Internet verscherbelte er als "Anna Lenz" oder "Antonia Welz" Dutzende Tickets für Stars und Festivals. Er kassierte so 24.500 Euro - für Karten, die es gar nicht gab.

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"Mit dem Geld habe ich sofort gespielt. Egal ob Fußball- oder Hundewetten, Poker oder Roulette", so der geständige Angeklagte, der seit dem 16. Lebensjahr in jeder freien Minute zockt.

"Ich wollte irgendwie mein Leben erträglich machen. Ich hatte sonst Schweißausbrüche, zitterte. Es ist erbärmlich, aber genau so ist es."

Die Justiz kam ihm freilich auf die Schliche: Er ist einschlägig vorbestraft, saß schon in Haft deshalb. Und das Geld der geprellten Kunden lief auf sein Konto.

"Aber ich kann mir einfach nicht bewusst werden, dass ich solchen Schaden damit anrichte", versuchte Alexander L. zu erklären, warum er wider besseres Wissen immer weitermachte. "Jetzt im Knast geht es mir gut. Da hat niemand eine Erwartung an mich."

Nun soll der Gutachter entscheiden, ob Alexander L. überhaupt schuldfähig ist. Urteil folgt.

Titelfoto: Peter Schulze

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