Wadenbeißer von Bautzen muss vor Gericht: Sein Opfer leidet noch heute!

Bautzen - Wer Polizisten in die Wade beißt, bekommt vom Rechtsstaat die Zähne gezeigt. So erging es am Dienstag Volker B. (44).

Schweißer Volker B. (44) musste zum Amtsrichter, weil er am Rande einer Demo bissig wurde.
Schweißer Volker B. (44) musste zum Amtsrichter, weil er am Rande einer Demo bissig wurde.  © Peter Schulze

Der Industrieschweißer hatte am Rande einer illegalen Montagsdemo im November 2021 einem Polizeiobermeister eine schmerzhafte Wunde zugefügt. Nun wurde der Beißer vom Amtsrichter verurteilt.

Der Prozess dauerte schon 90 Minuten, da wurde Volker B. plötzlich die Tragweite seiner rabiaten Handlung bewusst. "Nach dem, was ich bisher gesehen habe, stehen Sie mit einem Bein im Knast", hatte ihm gerade Richter Dirk Hertle (59) eröffnet.

Videos, Fotos und Zeugen belegten eindeutig: Volker B. hatte versucht, einem Polizisten der Beweissicherung in die Kamera zu greifen.

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Damals hatte es montags eine Demo in Bautzen gegeben. Erlaubt waren coronabedingt zehn Teilnehmer. Aber rund um den Kornmarkt waren fast 1000 Menschen auf den Beinen.

Als der Beamte sich die Handgreiflichkeiten von Volker verbat, wurde der Bautzner renitent.

Die Bisswunde kurz nach der Tat.
Die Bisswunde kurz nach der Tat.  © Polizei/Repro: Peter Schulze

Polizist Ron S. leidet bis heute an "Druckschmerzen"

Am Ende stand fast ein Dutzend Polizisten um Volker B. (44) herum - auch, um ihn vorm Mob zu schützen. Zuvor hatte er, am Boden liegend, einen Beamten gebissen.
Am Ende stand fast ein Dutzend Polizisten um Volker B. (44) herum - auch, um ihn vorm Mob zu schützen. Zuvor hatte er, am Boden liegend, einen Beamten gebissen.  © Eric Hofmann

Kollegen des Ordnungshüters mussten den Störer bändigen. Dabei versuchte Volker, einen Beamten zu schlagen und in die Hand zu beißen, scheiterte aber an dessen robustem Lederhandschuh.

Anders bei Obermeister Ron S. (24), der versuchte, Volker am Boden zu fixieren. Ihm biss der Wutbürger durch Skisocken, lange Unterhose und Uniform. "Ich hatte zehn Tage starke Schmerzen", so der Polizist, der bis heute "Druckschmerzen" an der verletzten Stelle hat.

Der Einsatzleiter sagte im Gericht: "Ich bin seit 15 Jahren in der Bereitschaftspolizei. Aber so ein Verhalten, in der Intensität habe ich noch nie erlebt."

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Volker spielte das alles im Prozess anfangs herunter: "Das war doch keine Demo, das war eine Ansammlung", diskutierte er. "Ich fand es unfair, dass die Polizei filmt", erklärte der Angeklagte weiter. Bis hin zu: "Ich erinnere mich nicht, was ich getan habe. Ich hatte mit mir zu tun. Ich hatte Puls."

Erst als Richter Hertle ihm aufzeigte, dass es für so eine Aktion auch ins Gefängnis gehen kann, knickte der Lausitzer ein. Mit hochrotem Kopf entschuldigte er sich bei den Polizisten. "Ich wollte nie jemandem schaden."

Und so schrammte er wohl am Knast vorbei. Urteil: zehn Monate Haft! Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Und Volker muss dem gebissenen Polizisten 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Titelfoto: Montage: Peter Schulze, Polizei /Repro: Peter Schulze

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