Zehn Jahre ohne Fleppen unterwegs: Reichsbürger kam in Fesseln zum Prozess

Pirna - Eigentlich fuhr er nur ohne Führerschein. Trotzdem kam Lothar L. (67) am gestrigen Montag mit Hand- und Fußfesseln zur Amtsrichterin nach Pirna. Der einstige "Staatsrechtler" war zuvor nur schwer zu fassen gewesen ...

Lothar L. (67) wurde aus der JVA zum Prozess gebracht.
Lothar L. (67) wurde aus der JVA zum Prozess gebracht.  © Peter Schulze

Im August 2020 kontrollierte eine Streife in Pirna einen Transporter. Am Steuer saß Lothar L., dem der Führerschein schon im Juli 2010 entzogen worden war. Danach sollte sich der T4-Fahrer vor der Amtsrichterin verantworten. Alles ganz normal.

Aber es wurde kompliziert. Zweimal platzte der Prozess, weil Lothar nie erschien und auch nicht zu finden war. An seiner Adresse wohnte nur ein "Untermieter", der erklärte, Lothar würde auf La Palma leben.

So gab es einen Haftbefehl. Der einschlägig Vorbestrafte wurde in Frankfurt/Main gefasst.

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Dort legte er zwar die klassischen Papiere von Reichsbürgern ("Nachweis zum Rechtsstand für alle Personen im Staatsgebiet von Deutschland" der "verfassungsgebenden Versammlung") vor, wurde aber laufengelassen!

Immerhin mit der Auflage, sich wöchentlich bei der Polizei zu melden. Was Lothar nicht tat.

Reichsbürger im Flixbus geschnappt: U-Haft bis zum Gerichtstermin!

"Das muss ich überlesen haben", sagte er nun zur Amtsrichterin, als der Prozess endlich stattfand.

Denn nach einem erneuten Haftbefehl wurde er aufgegriffen, als er im Flixbus von Dresden nach Passau über Prag fuhr. Diesmal landete er in U-Haft und wurde eben in Fesseln zum Prozess gebracht. "Ich fahre nicht mehr Auto. Hat sich erledigt", so der Angeklagte wortkarg.

Die Richterin verdonnerte Lothar L. zu sechs Monaten Haft. "Frühere Geldstrafen haben Sie ja nicht beeindruckt", schimpfte sie. Immerhin: Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Titelfoto: Peter Schulze

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