Überlebender berichtet im KZ-Prozess: "Keiner dachte, es wird gleich jemand aufgehängt"

Itzehoe – Im Prozess gegen eine frühere Sekretärin im KZ Stutthof hat am Dienstag ein polnischer Überlebender dem Landgericht Itzehoe von seinen Erfahrungen berichtet.

Die 97-jährige Angeklagte Irmgard F. muss sich wegen Beihilfe zum tausendfachen Mord verantworten.
Die 97-jährige Angeklagte Irmgard F. muss sich wegen Beihilfe zum tausendfachen Mord verantworten.  © Marcus Brandt/dpa

Die ausgehungerten Gefangenen seien 1944 von der "Krankheit Gleichgültigkeit" befallen gewesen, sagte Marek Dunin-Wasowicz über eine Videoverbindung aus Warschau.

Wenn sie mittags von der Arbeit zurück in das Lager bei Danzig gekommen seien, habe manchmal ein Galgen bereitgestanden. "Keiner dachte, es wird gleich jemand aufgehängt werden, sondern: Jetzt kriegen wir wieder nichts zu essen", sagte der 95-Jährige nach den Worten einer Dolmetscherin.

Angeklagte in dem Verfahren ist die 97 Jahre alte Irmgard F. Von Juni 1943 bis April 1945 soll sie als Zivilangestellte in der Kommandantur des deutschen Konzentrationslagers bei Danzig gearbeitet haben.

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Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, durch ihre Schreibarbeit Beihilfe zum systematischen Mord an über 11.000 Gefangenen geleistet zu haben.

Dunin-Wasowicz berichtete, dass er im Zweiten Weltkrieg wie sein älterer Bruder und seine Eltern im polnischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer aktiv war. Im Mai 1944 sei er zusammen mit seinem Bruder nach Stutthof gebracht worden. Nach dem Krieg arbeiteten beide als Autoren und Journalisten.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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