Krawallnacht in Stuttgart: Junge Männer wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Stuttgart - Nach den ersten Urteilen wegen der Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt im Juni 2020 wird Mitte Januar auch einer der gravierendsten Fälle aus der Krawallnacht vor Gericht verhandelt.

Juni 2020: Menschen stehen vor einem der geplünderten Geschäfte in der Marienstraße in Stuttgart.
Juni 2020: Menschen stehen vor einem der geplünderten Geschäfte in der Marienstraße in Stuttgart.  © Julian Rettig/dpa

Nach Angaben des Landgerichts müssen sich vom 13. Januar (9 Uhr) an zwei junge Männer wegen versuchten Totschlags verantworten.

Die damals 16 und 19 Jahre alten Angeklagten sollen einem am Boden liegenden Studenten gezielt gegen den Kopf getreten haben. Dabei sollen sie nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft dessen Tod zumindest billigend in Kauf genommen haben.

Außerdem wird ihnen Gewalt gegen Polizisten vorgeworfen. Die Jugendkammer plant mit mindestens acht Verhandlungstagen bis Anfang März.

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Die beiden Angeklagten gehören zu den mehr als 120 Verdächtigen, die die Polizei nach den Ausschreitungen mit Plünderungen und Sachbeschädigungen in der Stuttgarter City ermittelt hat.

Viele von ihnen sitzen noch in Untersuchungshaft, gegen Dutzende andere wurde der Haftbefehl gegen Auflagen ausgesetzt.

Amtsgericht Stuttgart verurteilte bereits zwei junge Männer zu Jugendstrafen

Anfang November hatte das Amtsgericht Stuttgart zwei junge Männer in den ersten beiden öffentlichen Prozessen wegen besonders schweren Landfriedensbruchs zu Jugendstrafen von jeweils zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Das Gericht befand sie schuldig, die Scheiben von Polizeiautos zerstört zu haben. Beide Anwälte legten gegen die Urteile Berufung ein. Insgesamt erwartet das Amtsgericht bis zu 100 Prozesse zur Krawallnacht.

Bei den nächtlichen Auseinandersetzungen im Juni hatten Dutzende vor allem junge Männer in der Stuttgarter Innenstadt randaliert. Es wurden zahlreiche Beamte verletzt und Schaufenster zerstört. Die Vorfälle sorgten weit über Stuttgart hinaus für Schlagzeilen und hitzige Debatten.

Titelfoto: Julian Rettig/dpa

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