Mann verschickt Bilder von Ex-Freundin ohne Kopftuch, dann will ihn jemand töten: Prozess beginnt

Mannheim - Ein Mann soll nach dem Ende einer Beziehung freizügige Bilder seiner Ex-Freundin an deren Familie geschickt haben. Ein Halbbruder der Frau soll ihn deshalb fast getötet haben. Der Fall beschäftigt jetzt das Landgericht Mannheim.

Der Prozess findet vor dem Landgericht Mannheim statt.
Der Prozess findet vor dem Landgericht Mannheim statt.  © Uwe Anspach/dpa

Wegen versuchten Mordes aus gekränkter Ehre muss sich ein 24-Jähriger von Dienstag (9 Uhr) an vor dem Landgericht Mannheim verantworten. 

Er soll den Ex-Freund seiner Halbschwester mit einem Messer und mit einem Stein fast getötet haben - denn der Ex-Partner soll freizügige Bilder der Frau an deren Familie im Ausland geschickt haben. Die Familie kommt mutmaßlich aus dem Nahen Osten, der Halbbruder lebt in Deutschland.

Der 24-Jährige soll sein späteres Opfer im Juli vergangenen Jahres wegen der Bilder seiner Halbschwester zu einem Gespräch auf dem Parkplatz einer Burgruine in Weinheim gebeten haben. 

Nach Darstellung der Anklagebehörde verlief das Gespräch zunächst ruhig und sachlich. Als der frühere Partner seiner Halbschwester während der Unterhaltung ein Telefonat annahm und sich abwandte, soll der Angeklagte ein Teppichmesser gezogen und dem ahnungslosen Mann Stich- und Schnittwunden am Hals und Oberkörper zugefügt haben.

Als das Opfer nach einem kurzen Gerangel zu Boden ging, schlug der Angeklagte ihm laut Staatsanwaltschaft einen Stein mit Wucht auf den Kopf. Der Schwerverletzte konnte dennoch aufstehen und wegrennen. Nur das Eingreifen einer Zeugin verhinderte weitere Angriffe auf ihn. 

Der Mann, der als Nebenkläger auftritt, erlitt zahlreiche Schnitt und Stichwunden und eine offene Schädel-Verletzung.

Update 12.30 Uhr: Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft vom Dienstag hatte das Opfer des Mannes im Sommer 2019 Bilder seiner Ex-Freundin an deren Verwandtschaft in Jordanien geschickt. Da die beiden Aufnahmen die junge Frau in T-Shirt und ohne Kopftuch zeigten, habe sich deren Verwandtschaft in ihrer Ehre verletzt gefühlt. Der in Deutschland lebende Halbbruder der Frau habe wenige Tage danach geplant, den in Mannheim wohnenden Ex-Freund umzubringen - um die Familienehre wiederherzustellen.

Der Mittzwanziger muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht Mannheim wegen des Verdachts des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verantworten. Als Mordmerkmale nannte Oberstaatsanwalt Reinhard Hofmann Heimtücke und niedrige Beweggründe.

Der mutmaßliche Täter, dessen Opfer und die Halbschwester kommen aus dem Nahen Osten. Aus westlicher Sicht sei an den Aufnahmen nichts anstößig, sagte Oberststaatsanwalt Reinhard Hofmann. Die Frau sei angemessen bekleidet gewesen.

Anlass waren Bilder der Frau ohne Kopftuch. (Symbolbild)
Anlass waren Bilder der Frau ohne Kopftuch. (Symbolbild)  © 123rf.com/citalliance

Titelfoto: 123rf.com/citalliance

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