Papierschnipsel statt einer Million: Filmreifer Betrugsfall vor Gericht

Stuttgart - Er soll zwei Mitarbeitern einen Umschlag mit Papierschnipseln untergejubelt haben - und mit einer Million Euro verschwunden sein: Weil er eine Straßenbaufirma um viel Geld gebracht haben soll, muss sich ein 63-Jähriger von Donnerstag (9 Uhr) an vor dem Landgericht Stuttgart verantworten.

Der filmreife Betrugsfall beschäftigt das Landgericht Stuttgart. (Archivbild)
Der filmreife Betrugsfall beschäftigt das Landgericht Stuttgart. (Archivbild)  © Sebastian Gollnow/dpa

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann besonders schweren Diebstahl vor, wie ein Gerichtssprecher sagte.

Am 18. März 2016 soll sich der Mann in einer Stuttgarter Bank als pensionierter Banker aus der Schweiz ausgegeben haben. Ein mutmaßlicher Mittäter hatte sich bei der Firma in Baden-Württemberg zuvor als Geschäftsmann im Verkehrsbereich vorgestellt und den 63-Jährigen als vermeintlichen unabhängigen Geldprüfer beauftragt.

Bei dem bevorstehenden Geschäft der Straßenbaufirma ging es um einen hohen Millionenbetrag - eine Million Euro waren als Provision für den mutmaßlichen Mittäter gedacht.

Der Anklage zufolge traf sich der 63-Jährige mit zwei Mitarbeitern der Firma in der Bank, um die Provision zu überprüfen. Er habe nachsehen wollen, ob das Geld in einen größeren Umschlag passt, und packte die Summe in Geldbündeln hinein. 

Statt ihn den Mitarbeitern der Firma zurückzugeben, legte er das verpackte Geld heimlich in seinen Koffer und übergab den Mitarbeitern einen identisch aussehenden Umschlag - der aber mit Papierschnipseln statt mit Geld gefüllt war. Das Papier landete anstelle der Million im Tresor.

Mit einem internationalen Haftbefehl wurde der 63-Jährige gut vier Jahre später im Sommer in Rumänien verhaftet und kurz darauf nach Deutschland überstellt.

Update, 12 Uhr: Eine Million Euro durch Papier ausgetauscht: 63-Jähriger gesteht Tat

Der 63-jährige Angeklagte hat bei einem Prozess am Stuttgarter Landgericht gestanden, einer Straßenbaufirma eine Million Euro mit einem Trick abgenommen zu haben. 

Über seinen Rechtsanwalt ließ der Mann am Donnerstag verlesen, dass es ihm leid tue und er die Tat bereue. Vor allem seine Spielsucht habe ihn dazu verleitet. Doch entgegen der Anklage habe der Mann für den Trickdiebstahl nur 10.000 statt der vorgeworfenen 400.000 Euro als Anteil erhalten. 

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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