Prozess: Haben Sicherheitsmänner eigenen Geldtransporter überfallen und 825.000 Euro erbeutet?

Karlsruhe - Den eigenen Geldtransporter auszuräumen und die Tat als Überfall falscher Polizisten hinzustellen, ging gründlich schief. Die Ermittler brauchen nicht lange. Jetzt stehen die beiden damaligen Sicherheitsmänner vor Gericht.

Der Prozess findet vor dem Landgericht Karlsruhe statt. 
Der Prozess findet vor dem Landgericht Karlsruhe statt.  © DPA / Uli Deck

Die Beute bei einem Überfall auf einen Geldtransporter im Kreis Karlsruhe war groß: Knapp 825 000 Euro hatten zwei Angestellte im Juli 2019 in ihrem Transporter. 

Von Dienstag (9 Uhr) an stehen die ehemaligen Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens vor dem Karlsruher Landgericht, weil sie sich quasi selbst ausgeraubt haben sollen.

Die Männer hatten nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft den Überfall an der Autobahn 5 bei Weingarten nur inszeniert. Sie hatten der Polizei gesagt, sie seien von falschen Polizisten in einem zivilen Auto angehalten und ausgeraubt worden. 

Die Vorwürfe lauten auf Diebstahl mit Waffen und Vortäuschen einer Straftat. Der Fahrer des Transportes hat die Tat nach Angaben der Staatsanwaltschaft zugegeben. Bei einer Verurteilung drohen mehrjährige Haftstrafen. Gut einen Monat nach der Tat waren die Verdächtigen festgenommen worden und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. 

Für den Prozess sind vier Verhandlungstage angesetzt.

Angeklagt widersprechen sich bei ihren Darstellungen

Die Männer sollen einen Überfall vorgetäuscht haben. (Symbolbild)
Die Männer sollen einen Überfall vorgetäuscht haben. (Symbolbild)  © Caroline Seidel/dpa

Update 15.03 Uhr: Die Ex-Kollegen widersprechen sich bei ihren Darstellungen des Ablaufs. 

Der 36 Jahre alte Angeklagte sagte zum Prozessauftakt aus, beide Männer hätten die Tat im vergangenen Juli aus Geldsorgen gemeinsam geplant und die Beute später in gleichen Teilen aufteilen wollen. Dagegen ließ sein sechs Jahre jüngerer mutmaßlicher Kumpan über seinen Anwalt mitteilen, er sei in den vorgetäuschten Raubüberfall hineingeredet worden und habe nur einen kleinen Teil der Beute erhalten.

Der angebliche Raubüberfall nach Hollywood-Manier hatte im vergangenen Sommer für Schlagzeilen und anfängliches Rätselraten bei den Ermittlern gesorgt. Denn von den mutmaßlichen Geldräubern fehlte jede Spur. 

Die angeklagten Männer hatten zunächst behauptet, sie seien an der Autobahn 5 bei Weingarten von falschen Polizisten in einem zivilen Auto angehalten und auf einer schmalen Straße zwischen Bruchsal und Weingarten ausgeraubt worden. Das Geld - rund 825.000 Euro - hatten sie zwischendurch in einem abgestellten Auto deponiert, um es später in Sicherheit zu schaffen.

"Ich wurde gierig, ich habe es wirklich nur aus Habgier gemacht", sagte der 36-Jährige nun vor dem Landgericht in Karlsruhe. Unklar ist noch, wie die Polizei und der Sicherheitsdienst den beiden auf die Schliche gekommen waren. Nach früheren Angaben soll es einen Anfangsverdacht gegeben haben, weil beide Mitarbeiter gegen interne Sicherheitsvorschriften verstoßen hatten. 

Bei Durchsuchungen fanden die Beamten dann bei den Verdächtigen hochwertige Gegenstände wie E-Bikes, Schmuck, Uhren und Fernseher, die erst kurz vorher gekauft worden waren. Ein Großteil der Beute – sowohl Bargeld als auch Gold – wurde sichergestellt.

Die Vorwürfe lauten auf Diebstahl mit Waffen und Vortäuschen einer Straftat. Bei einer Verurteilung drohen mehrjährige Haftstrafen. Gut einen Monat nach der Tat waren die Verdächtigen festgenommen worden und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. 

Ein Urteil soll Anfang April gesprochen werden.

Titelfoto: Caroline Seidel/dpa

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