"Das war die Hölle": Im Wohnmobil entführte Frau sagt über Entführung aus

Stuttgart - Die ersten Momente der Entführung müssen chaotisch gewesen sein und schmerzhaft. 

Der Angeklagte (2.vl), der seine frühere Lebensgefährtin mit einem Mitangeklagten in Großaspach entführt haben soll, vor Gericht.
Der Angeklagte (2.vl), der seine frühere Lebensgefährtin mit einem Mitangeklagten in Großaspach entführt haben soll, vor Gericht.  © Marijan Murat/dpa

Es wurde geschrien, erinnert sich das Opfer in seiner Aussage vor Gericht, es wurde gedroht, kochendes Wasser verschüttet und ein Messer gezückt. 

"Das war die Hölle", sagte die frühere Geisel unter Tränen und mit stockender Stimme. Die Frau erinnerte sich am Montag in Stuttgart erstmals vor Gericht an ihre tagelange Tortur in den Händen der mutmaßlichen Kidnapper. 

Die 48-Jährige widersprach dabei im Wesentlichen den Aussagen ihres früheren Partners und seines ebenfalls verdächtigten Mitarbeiters auf der Anklagebank.

Anfang Juni vergangenen Jahres soll die Frau von den beiden Männern aus ihrem Wohnort im Rems-Murr-Kreis nach Frankreich verschleppt worden sein. Die französische Polizei hatte sie nach acht Tagen im Elsass aus der Gewalt ihrer Entführer befreit (TAG24 berichtete).

"Ist Ordnung", heißt es in einer der ersten Kurznachrichten an die ältere Frau, die bis zur Tat vom Entführungsopfer gepflegt worden war und sie nach der Mittagspause als vermisst gemeldet hatte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Geiselnehmer mit ihrer Beute allerdings bereits auf dem Weg ins Elsass. 

Dort fuhr sich der Fluchtwagen, ein Camper, auf einem Waldweg fest. Die kleine Gruppe musste den Weg zu Fuß fortsetzen, sie übernachtete unter freiem Himmel, während die deutsche und die französische Polizei nach dem Trio fahndete.

Opfer überzeugt: Bei Widerworten wäre sie gestorben

"Er war wie der Teufel", sagte die Frau über ihren früheren Lebensgefährten, der den Saal vor der Aussage verlassen musste und von einem Nebenraum aus zugeschaltet war. Sie sei überzeugt gewesen, dass er sie umgebracht hätte, hätte sie Widerworte gegeben.

Die zwei Männer aus Polen, die sich wegen der Geiselnahme vor dem Landgericht verantworten müssen, hatten die Tat zuvor hingegen als Missverständnis und Irrfahrt bezeichnet. Der ältere Angeklagte und Ex-Partner der Frau sagte aus, sie sei zwar zunächst gegen ihren Willen festgehalten worden. 

Die Frau sei aber freiwillig bei den beiden Angeklagten geblieben und habe trotz ihrer Verletzungen mit ihnen im Wald übernachtet. Ins 120 Kilometer entfernte Elsass habe sich die kleine Gruppe nur durch ein Versehen und trotz eines Navigationsgeräts verirrt.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft könnte hingegen Eifersucht im Spiel gewesen sein, vielleicht auch Rache wegen einer Affäre seiner Ex-Partnerin. 

Als der Mann vom neuen Freund seiner in Deutschland arbeitenden Frau erfahren habe, habe er beschlossen, sie gemeinsam mit seinem deutlich jüngeren mutmaßlichen Komplizen nach Polen zu entführen oder umzubringen. Der Prozess ist bis mindestens Mitte August geplant, zwei Verhandlungstage länger als anfangs vorgesehen.

Titelfoto: Marijan Murat/dpa

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