Mehr als zwei Jahre Haft für Polizisten wegen sexuellen Missbrauchs

Erfurt - Vor dem erwarteten Urteil gegen zwei Polizisten am Landgericht Erfurt haben Demonstranten gegen Rassismus und Sexismus bei der Polizei protestiert.

Die beiden Angeklagten beim Porzessauftakt am Landgericht Erfurt im Mai.
Die beiden Angeklagten beim Porzessauftakt am Landgericht Erfurt im Mai.  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Mehrere Dutzend vor allem jüngere Frauen versammelten sich dafür am Montag vor dem Gerichtsgebäude. 

Sie wollten Solidarität mit Opfern von Polizeigewalt zeigen, wie es hieß. Immer wieder sei in diesem Zusammenhang von Einzelfällen die Rede, sagte eine Sprecherin. Dabei handle es sich ihrer Auffassung nach um ein strukturelles Problem bei der Polizei.

Im Prozess geht es um Ereignisse im September vor einem Jahr (TAG24 berichtete). Damals gingen die zwei angeklagten heute 23 und 28 Polizisten mit der Frau in deren Wohnung in Marlishausen (Ilm-Kreis), um dort gültige Ausweispapiere der gebürtigen Polin zu suchen.

In der Wohnung soll es zum Geschlechtsverkehr gekommen sein. 

Die Polizisten sagten vor Gericht aus, dass dieser einvernehmlich gewesen sein. Die Frau selbst soll später einem Dolmetscher gegenüber von einer Vergewaltigung gesprochen haben. Allerdings ist die als Hauptbelastungszeugin geladene Frau zu den bisherigen Verhandlungstagen nicht erschienen.

Angeklagt waren die Polizisten ursprünglich wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung im besonders schweren Fall. Doch die Staatsanwaltschaft rückte in ihrem Plädoyer von den Vergewaltigungsvorwürfen ab und forderte zwei Jahre Haft auf Bewährung wegen sexuellen Missbrauchs von Gefangenen und behördlich Verwahrten unter Ausnutzung einer Amtsstellung.

Die Verteidiger der Polizisten plädierten auf Freispruch.

Update, 17 Uhr: Die beiden Polizisten wurden vom Landgericht Zwickau zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahre und drei Monaten verurteilt. Das gesamte Tatbild sei erschreckend und zutiefst verstörend und geeignet das Vertrauen in die Integrität der Polizei erheblich zu beeinflussen, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung am Montag. Rechtsmittel können noch eingelegt werden.

Titelfoto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

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