Vergewaltigungs-Prozess gegen Polizisten: Vernehmungs-Protokoll verlesen

Erfurt - Zum Prozess gegen die Polizisten, die sie vergewaltigt haben sollen, ist sie bisher nicht erschienen - doch Aussagen der Frau sind Thema bei der Verhandlung am Dienstag gewesen. 

Einer der Angeklagten wird mit Handschellen ins Gericht gebracht.
Einer der Angeklagten wird mit Handschellen ins Gericht gebracht.  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Vor dem Landgericht Erfurt wurde das polizeiliche Vernehmungsprotokoll der Frau verlesen, das einen Tag nach dem Vorfall angefertigt worden war. Darin schildert die damals 32-Jährige, wie die beiden Angeklagten sie in ihrer Wohnung vergewaltigt hätten.

Sie habe sich gegen die Polizisten gewehrt, gab die Frau damals zu Protokoll. Und dass die Polizisten ihr danach zu verstehen gegeben hätten, dass sie nicht darüber sprechen solle. Sie schildert auch Schmerzen im Unterleib. Beide Polizisten hätten sich "ohne Scham und ohne Emotion verhalten" - so die Aussage der Frau in dem Protokoll.

Die Staatsanwaltschaft wirft den heute 23 und 28 Jahre alten inzwischen suspendierten Polizisten vor, die Frau im September vergangenen Jahres bei einem Diensteinsatz in ihrer Wohnung in Marlishausen (Ilm-Kreis) vergewaltigt zu haben (TAG24 berichtete).

Die Angeklagten haben dagegen ausgesagt, mit der Frau einvernehmlichen Geschlechtsverkehr ohne Kondome gehabt zu haben. In der Anklage heißt es, die Frau sei bei der Tat leicht verletzt worden. Erschwerend kommt nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hinzu, dass die Polizisten ihre Dienstwaffen dabei gehabt haben sollen.

Zielfahnder suchen nach der Frau

Die Frau - eine gebürtige Polin - und ihr damaliger Partner sind in dem Prozess zwar als Zeugen geladen. Allerdings konnte bislang nicht geklärt werden, wo sich die beiden aktuell aufhalten. Die Staatsanwältin erklärte bei der Verhandlung am Dienstag, dass erst seit vergangener Woche aktiv mit Zielfahndern des Landeskriminalamts nach der Frau gesucht werde. Die Staatsanwaltschaft habe die Maßnahme vorgeschlagen, als sich abzeichnete, dass die tatsächliche aktuelle Adresse der Frau dem Gericht unbekannt ist.

Derweil läuft der Versuch, das Handy des älteren Angeklagten auszuwerten weiter. Der Mann hatte zuvor im Prozess gesagt, er habe den Geschlechtsverkehr mit seinem Smartphone gefilmt. Später habe er die Aufnahmen aber gelöscht und das Handy in einen Bach geworfen. Das Gerät konnte zwar geborgen werden, doch die Auswertung erweist sich bisher als schwierig.

Der Vorsitzende Richter gab sich am Dienstag aber zuversichtlich, dass es doch noch gelingen könne, das Video für die Verhandlung nutzen zu können. Der Prozess soll am 29. Juni fortgesetzt werden.

Titelfoto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

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