Polizist bei Verfolgungsjagd die Knochen gebrochen: Täter soll jahrelang hinter Gitter

Von Annett Gehler

Erfurt - Weil er einen Polizisten angefahren haben soll, will die Staatsanwaltschaft einen 40-Jährigen für neun Jahre und drei Monate hinter Gitter bringen.

Der vorbestrafte Täter könnte für mehrere Jahre ins Gefängnis wandern.
Der vorbestrafte Täter könnte für mehrere Jahre ins Gefängnis wandern.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Die Anklagebehörde plädierte am Montag vor dem Erfurter Landgericht unter anderem auf versuchten Mord. Der Angeklagte habe zum Tatzeitpunkt unter Bewährung gestanden, sagte Oberstaatsanwalt Rainer Kästner-Hengst. Er wollte nicht wieder ins Gefängnis und habe daher verdecken wollen, dass er ohne Führerschein unterwegs war.

Der Mann ist wegen Fahrens ohne Führerschein bereits einschlägig vorbestraft. In dem jetzigen Prozess wird ihm vorgeworfen, im Juni 2020 bei einer Verfolgungsjagd in Apolda einem Polizisten über den Fuß gefahren zu sein und ihn schwer verletzt zu haben. Unter anderem erlitt der Beamte einen Wadenbeinbruch und Prellungen.

Als der Beamte am Boden lag, soll der Angeklagte, der aus einer Sackgasse wollte, noch einmal auf ihn zugefahren sein. Das Opfer konnte sich dabei aber trotz seines verletzten Beines noch vor dem heranfahrenden Auto retten.

Ehefrau mit Geländewagen totgefahren: Täter muss lebenslang hinter Gitter
Gerichtsprozesse Thüringen Ehefrau mit Geländewagen totgefahren: Täter muss lebenslang hinter Gitter

Die Nebenklage, die den Polizisten vertritt, schloss sich dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft an. Die Tat habe bei den Polizisten erhebliche Spuren hinterlassen, sagte der Vertreter der Nebenklage, Markus Gutte.

Er befinde sich bis heute in ärztlicher Behandlung, musste sich mehrfach operieren lassen und habe wahrscheinlich eine dauerhafte Bewegungseinschränkung. Ob und inwieweit er seinen Dienst als Polizist wieder antreten könne, sei fraglich.

Verteidigung will mildes Strafmaß

Die Verteidigung hingegen plädierte auf gefährliche Körperverletzung und hält eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten für angemessen.

Der Angeklagte sei in Panik gewesen, so dass er den Polizisten nicht gesehen habe, obwohl er ihn hätte wahrnehmen müssen. Auch habe sein Drogenkonsum zur Verkennung der Situation geführt, sagte Verteidiger Andreas Schiller.

Der Angeklagte selbst hatte zum Prozessauftakt ausgesagt, den Polizisten nicht gesehen zu haben. In seinem letzten Wort entschuldigte sich der 40-Jährige erneut bei dem Beamten. "Es tut mir leid, was passiert ist", so der Angeklagte. "Es war nicht meine Absicht, dass jemand verletzt wurde."

Das Urteil wird an diesem Donnerstag erwartet.

Titelfoto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Thüringen: