Hoher und sprunghafter Anstieg: Deutlich mehr Fälle von Zwangsheirat in NRW

Düsseldorf – Zwangsheirat ist in Deutschland illegal. Dennoch erfasste die Polizei in Nordrhein-Westfalen mehr Fälle und verbuchte einen sprunghaften Anstieg.

Ein Plakat mit der Aufschrift "Sommer, Sonne, Zwangsheirat" hängt am Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Am Dienstag startete eine Kampagne.
Ein Plakat mit der Aufschrift "Sommer, Sonne, Zwangsheirat" hängt am Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Am Dienstag startete eine Kampagne.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Nach 14 Fällen im Vorjahr registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 26 Fälle - das entspricht einem Anstieg von fast 86 Prozent.

Experten gehen zudem von einem großen Dunkelfeld aus. Die landesweiten Fachberatungsstellen beraten im Jahr rund 250 Menschen, die zwangsverheiratet werden sollen.

Mit der Ferienzeit und der Rückkehr der Reisefreiheit könnte eine Welle von Zwangsverheiratungen im Ausland bevorstehen. "Wir sind in Sorge", sagte NRW-Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (44, CDU) am Dienstag. "Bei einigen endet der Urlaub in einer Zwangsehe. Das ist zutiefst menschenverachtend."

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Deswegen startete die Landesregierung am Dienstag eine Kampagne gegen die Zwangsheirat in 23 Städten mit 1700 Plakaten, einem TV-Spot im Fahrgast-Fernsehen des Öffentlichen Nahverkehrs und Auftritten in den sozialen Medien.

Von Zwangsheirat betroffen seien in 90 Prozent der Fälle Mädchen und junge Frauen. Ihnen werde die eigene Lebensplanung zunichtegemacht, oft sogar die Rückkehr nach Deutschland in Schule, Beruf oder Studium verwehrt.

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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