Frau wollte Vater aus Angst vor Demenz töten: Bewährungsstrafe?

Kiel – Für eine 32-Jährige, die nach eigenem Geständnis ihren Vater aus Furcht vor einer Demenzerkrankung mit einem Medikament vergiften wollte, haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung am Donnerstag eine Bewährungsstrafe gefordert.

Der Prozess findet vor dem Kieler Landgericht statt. (Archivbild)
Der Prozess findet vor dem Kieler Landgericht statt. (Archivbild)  © Markus Scholz/dpa

Vor dem Kieler Landgericht ging Anklägerin Gesine Ohst von einem minder schweren Fall des versuchten Totschlags aus und beantragte ein Jahr und vier Monate Freiheitsstrafe, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Strafmildernd wertete die Staatsanwältin unter anderem, dass die intellektuell leicht minderbegabte Angeklagte von Beginn an Reue gezeigt und gestanden habe.

Die 32-Jährige selbst habe die Ermittlungen gegen sich überhaupt erst in Gang gesetzt. Die Tat Anfang Juni 2018 habe die Frau unter Alkoholeinfluss begangen "offensichtlich völlig spontan aus Hilflosigkeit, ihren Vater zu erlösen und der Familie Leid zu ersparen", sagte die Anklägerin.

Die Frau schüttete dabei nach eigenem Geständnis ihrem heute 75-jährigen Vater ein Beruhigungsmedikament in ein Bierglas, als er kurz einschlief. Dann wartete sie ab, bis der Mann aufwachte, das Glas fast geleert hatte und ging nach Hause.

Mit der Tat habe sie ihren Vater "erlösen" wollen, sagte die Angeklagte. Sie und der Vater hätten zuvor gemeinsam viel getrunken.

Angeklagte erzählte Ehemann von Tat

Wieder bei sich zu Hause informierte die Angeklagte nach eigenen Angaben ihre Mutter und gestand die Tat auch ihrem Ehemann. Doch dies sei nicht als strafbefreiender Rücktritt zu bewerten, sagte die Staatsanwältin.

Denn als die beiden nicht sofort den Rettungswagen riefen, sondern erst bis zum Morgen abwarteten, hätte sie selbst tätig werden müssen. Das war der ehemaligen Förderschülerin aber angesichts ihrer Persönlichkeitsstruktur offenbar nicht möglich.

Der Vater kam später ins Krankenhaus und überlebte. Dass er ihr verziehen hat, wirkte sich auch strafmildernd aus. Wie die anderen Angehörigen machte er auch von dem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Das Urteil wird am Montag (11.30 Uhr) erwartet.

Titelfoto: Markus Scholz/dpa

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