Prozessbeginn: Hausarrest gegen Kölnerin aufgehoben, doch die Türkei darf sie nicht verlassen

Köln/Istanbul - Der Prozess wegen Terrorvorwürfen gegen die in der Türkei festgehaltene Kölnerin Gönül Örs hat in der Türkei begonnen.

Die seit mehr als einem Jahr in der Türkei festgesetzte Kölnerin Gönül Örs (38). Angeklagt wird sie wegen einer Protestaktion vor acht Jahren in Köln.
Die seit mehr als einem Jahr in der Türkei festgesetzte Kölnerin Gönül Örs (38). Angeklagt wird sie wegen einer Protestaktion vor acht Jahren in Köln.  © Mirjam Schmitt/dpa

Ein Gericht in der türkischen Metropole Istanbul hat den Hausarrest gegen die wegen Terrorvorwürfen angeklagte Kölnerin Gönül Örs aufgehoben. 

Sie darf jedoch das Land nicht verlassen, weil die Ausreisesperre bestehen bleibe, sagte ihre Anwältin Ayse Celik der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag am Istanbuler Gericht Caglayan. 

Eine Fußfessel müsse ihre Mandantin nicht mehr tragen. Der Prozess gegen Örs wird am 1. Oktober fortgesetzt.

Der Kölnerin wird der Anklageschrift zufolge Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, Freiheitsberaubung unter Gewaltanwendung oder Täuschung und "Entführung oder Beschlagnahmung" von Beförderungsmitteln vorgeworfen.

Vor Gericht sagte die Anwältin: "Meine Mandantin hat nicht im Entferntesten etwas mit diesem Vorfall zu tun."

Protestaktion im Jahr 2012 auf einem Schiff in Köln

Örs war im Mai 2019 in die Türkei gereist, um ihre wegen Terrorvorwürfen verurteilte Mutter - die Sängerin Hozan Cane (Künstlername) - in der Haft zu besuchen. 

Örs wurde selbst festgenommen, erhielt zunächst eine Ausreisesperre und saß dann drei Monate in Istanbul in Untersuchungshaft. Bei ihrer Entlassung Anfang Dezember wurde sie unter Hausarrest gestellt.

Hintergrund der Anklage ist eine Protestaktion im Jahr 2012 auf einem Schiff in Köln. 

In Deutschland wurde nach Angaben der Anwältin eine Ermittlung gegen Örs in diesem Fall eingestellt.

Die türkische Ermittlungsakte stütze sich auf damalige Informationen eines BKA-Kontaktbeamten.

Der menschenrechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Frank Schwabe sagte, Örs sitze aus "nichtigen Gründen in der Türkei fest. Letztlich, weil sie ihrer Mutter zur Seite stehen wollte."

Örs und auch ihre Mutter müssten dringend freigelassen werden. Zudem kritisierte Schwabe den Umgang deutscher Behörden mit Daten. Diese müssten "lernen, dass sensible Daten an autoritär regierte Staaten so nicht mehr weitergegeben werden dürfen."

Titelfoto: Mirjam Schmitt/dpa

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