Tödliche Betonplatte auf A3 war "absichtlich gewählte Improvisation"

Köln - Der tödliche Unfall mit einer Betonplatte aus einer Lärmschutzwand auf der A3 bei Köln geht laut Straßen.NRW auf eine "absichtlich gewählte Improvisation" beim Einbau 2007 zurück.

Die Frau (†66) wurde von der fahrlässig angebrachten Betonplatte erschlagen. Das Betonteil wog mehrere Tonnen und knallte auf die A3 bei Köln.
Die Frau (†66) wurde von der fahrlässig angebrachten Betonplatte erschlagen. Das Betonteil wog mehrere Tonnen und knallte auf die A3 bei Köln.  © Daniel Evers/Wuppervideo/dpa

Damit sollte offensichtlich ein Höhenunterschied bei der Montage überbrückt werden, sagte ein Sprecher des Landesbetriebs am Mittwoch.

Bei der gewählten Konstruktion mit einem Winkel habe eine angeschweißte Schraube die Zugkräfte des vier bis fünf Tonnen schweren Teils aus Stahlbeton aber auf Dauer nicht getragen.

Zur Frage einer Haftung durch das beauftragte Unternehmen gab es zunächst keine Informationen.

Die Betonplatte hatte sich am Freitag gelöst und war auf das Auto einer 66-jährigen Kölnerin gestürzt, die noch am Unfallort starb.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet - zunächst gegen unbekannt. Der Fall ist auch Thema im Verkehrsausschuss des Landtages am Mittwoch.

Die gleiche Konstruktion sei an sechs weiteren Lärmschutzplatten verbaut worden, die nun schnellstmöglich ausgebaut würden.

Mögliche weitere Bauwerke an Autobahnen werden untersucht

Wann dies passieren würde, konnte der Sprecher am Mittwochmorgen noch nicht sagen. Bis es soweit ist, sollen die beiden äußeren Fahrspuren der Autobahn gesperrt bleiben.

Es sei nicht davon auszugehen, dass bei ähnlichen Bauwerken akute Gefahr bestehe, hatte es am Dienstag geheißen. Gleichwohl überprüfe die Behörde, ob es weitere Lärmschutzwände mit ähnlichen Konstruktionen in NRW gibt.

Update, 18 Uhr: Weitere Betonplatten sollen entfernt werden

Am Donnerstag sollen sechs weitere Platten entfernt werden, die ebenfalls fehlerhaft befestigt sind. Die Arbeiten sollen am Morgen beginnen. Zwischen 9 und 15 Uhr werden dafür drei Spuren in eine Fahrtrichtung gesperrt, zwei Spuren bleiben frei.

Update, 15.47 Uhr: Verkehrsminister besuchte Unfallstelle

Die Betonplatte, die an der A3 bei Köln auf ein Auto gestürzt ist, war laut Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) offenbar zu groß ausgefallen. Um sie beim Einbau 2007 dennoch befestigt zu bekommen, habe man absichtlich improvisiert. "Sprich: Da hat was nicht gepasst und das ist dann passend gemacht worden", sagte Wüst am Mittwoch im Verkehrsausschuss des Landtags.

Wüst sagte, dass er am Montagvormittag die Unfallstelle selbst besucht habe. "Ich bin nach wie vor fassungslos", schilderte Wüst: "So was schüttele ich auch nicht einfach so aus den Kleidern."

Update, 11.15 Uhr: Unternehmen von 2007 insolvent

Ein Blick auf das kaputte Metallteil, das die Betonplatte halten sollte.
Ein Blick auf das kaputte Metallteil, das die Betonplatte halten sollte.  © Landesbetrieb Straßen.NRW

Nach dem tödlichen Unfall wegen einer hinabgestürzten Betonplatte an der A3 durch Baupfusch scheint die Suche nach den Verursachern schwierig: Laut einem Bericht des Verkehrsministeriums an den Landtag hatte eine Firma aus Gelsenkirchen 2007 die Stützwand errichtet, eine andere fertigte die Betonplatte an.

Beide Unternehmen seien inzwischen aber insolvent. Ob eine der beiden Firmen auch die mangelhafte Befestigung veranlasste oder dafür zum Beispiel ein Subunternehmen engagiert wurde, blieb zunächst unklar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt.

Der Hersteller der hinabgestürzten Betonplatte - ein Unternehmen aus Hessen - meldete nach dpa-Informationen schon 2014 Insolvenz an und ist seit Jahren nicht mehr existent. Ein Teil der Betonplatten der betreffenden Stelle an der A3 wurde laut Straßen.NRW korrekt angebracht. Sechs seien aber ebenfalls falsch befestigt worden.

Sie sollen nun schnellstmöglich abmontiert werden, um eine Gefährdung auszuschließen. An einer der Wände hatte der Gutachter der Staatsanwaltschaft einen bereits verbogenen Schweißanschluss mit erhöhter Rissgefahr entdeckt.

Update, 10.03 Uhr: Betonplatten wurden bei Untersuchungen mit "sehr gut" bewertet

Die hinabgestürzte Betonplatte an der A3 wurde bei ihrer letzten planmäßigen Untersuchung 2013 mit "Sehr gut" bewertet.

Laut einem Bericht der Landesregierung an den Verkehrsausschuss des Düsseldorfer Landtags waren die jetzt festgestellten Mängel an der Halterung allerdings nicht sichtbar.

"Es ist davon auszugehen, dass auch bei der kommenden Prüfung die fehlerhafte Konstruktion nicht aufgefallen wäre, weil sie versteckt hinter der Lärmschutzplatte liegt", so das Verkehrsministerium in dem Bericht.

Titelfoto: Daniel Evers/Wuppervideo/dpa

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