Mordkomplott unter Leipziger Großhändlern: Prozess-Abbruch!

Leipzig - Mehr als zwei Jahre nach dem Auftakt eines Mordprozesses gegen zwei Männer und 75 Verhandlungstagen muss der Prozess ausgesetzt werden. 

Hüseyin D. (51) muss sich vor Gericht verantworten, da er angeblich in die Ermordung eines Geschäftsmannes verwickelt sein soll.
Hüseyin D. (51) muss sich vor Gericht verantworten, da er angeblich in die Ermordung eines Geschäftsmannes verwickelt sein soll.  © Ralf Seegers

Der Vorsitzende Richter der Strafkammer geht Ende August in der Ruhestand, wie eine Sprecherin des Landgerichts Leipzig am Donnerstag mitteilte. 

Die Haftbefehle gegen die beiden Angeklagten Hüseyin D. (51) und Hassan M. (47) wurden aufgehoben. Sie befanden sich seit Herbst 2017 in Untersuchungshaft. 

Der Prozess muss nach Gerichtsangaben komplett neu aufgerollt werden. Die Kammer werde nun zügig nachbesetzt, neue Termine anberaumt.

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Ursprünglich sollte der Prozess gegen drei Angeklagte geführt werden und am 16. Mai 2018 beginnen. 

Das Trio soll Anfang 2015 einen 42-Jährigen in Leipzig erwürgt und vergraben haben. Die Leiche wurde erst 2017 gefunden (TAG24 berichtete). 

Noch vor der Verlesung der Anklage wurde die Verhandlung jedoch unterbrochen, weil einer der Angeklagten, Ismail Ö., wegen Krankheit nicht erschienen war. Seitdem wurde er mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Die Kammer war davon ausgegangen, das Verfahren bis Ende August zu beenden. In dieser Woche sei dann ein Schreiben von Ismail Ö. beim Gericht eingegangen, dass dieser endlich aussagewillig sei. 

Die verbleibende Zeit bis zum Eintritt des Vorsitzenden Richters in den Ruhestand Ende August 2020 hätte jedoch nicht ausgereicht, um den Prozess ordnungsgemäß zu beenden.

Im November 2017 fand die Polizei neben einem Leipziger Großmarkt eine Leiche, die dort angeblich vom angeklagten Trio vergraben wurde.
Im November 2017 fand die Polizei neben einem Leipziger Großmarkt eine Leiche, die dort angeblich vom angeklagten Trio vergraben wurde.  © Alexander Bischoff

Der Angeklagte Hüseyin D. war schon früher in ein Mordkomplott verwickelt

Mit diesem gestellten Leichen-Foto versuchte Hüseyin D. seine eigene Ermordung zu inszenieren.
Mit diesem gestellten Leichen-Foto versuchte Hüseyin D. seine eigene Ermordung zu inszenieren.  © Alexander Bischoff

Lange bevor der Angeklagte Hüseyin D. sich selbst als Mörder vor Gericht verantworten musste, war er in ein Komplott verwickelt, das auch Handlung eines Hollywood-Films sein könnte.

Einer seiner ehemaligen Geschäftspartner hatte es auf sein Leben abgesehen und einen Auftragskiller engagiert, der D. umbringen und danach ein Beweisfoto schießen sollte.

Daraus wurde jedoch nichts, denn der Killer vertraute sich D. an. Gemeinsam entwickelten sie einen unglaublichen Plan: Sie inszenierten das Mordfoto.

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Hüseyin D. legte sich in eine Mischung aus Ketchup und Saft, die täuschend echt wie eine tödliche Verletzung wirkte. 

Doch selbst nach dieser filmreifen Täuschung hatte der Unternehmer noch immer Angst um sein Leben, weshalb er schließlich Anzeige gegen seinen Feind erstattete.

Nun wird der Prozess um das Trio aus Hüseyin D., Hassan M. und Ismail Ö. abgebrochen und komplett neu aufgerollt. Der Vorsitzende Richter hätte sich zwar ausdrücklich bereit erklärt, das Verfahren auch über den Eintritt des Ruhestandes hinaus weiter und zu Ende zu führen. Dies aber ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich.

Titelfoto: Ralf Seegers

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