Justizministerin Keding macht JVA für Fluchtversuch von Stephan B. verantwortlich

Magdeburg  - Die JVA Halle hat die Haftbedingungen des Terrorverdächtigen Stephan B. laut Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) eigenständig gelockert und damit seinen Fluchtversuch ermöglicht. 

Am Pfingstwochenende hatte Attentäter Stephan B. einen Fluchtversuch aus der JVA "Roter Ochse" gewagt.
Am Pfingstwochenende hatte Attentäter Stephan B. einen Fluchtversuch aus der JVA "Roter Ochse" gewagt.  © Ronny Hartmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der 28-Jährige sei am Tag seines Fluchtversuches im Rahmen eines Freigangs auf dem Gefängnishof zunächst nur von einem, später dann von gar keinem JVA-Bediensteten bewacht worden, sagte die Ministerin am Dienstag in Magdeburg.

Das Ministerium habe jedoch erlassen, dass B. außerhalb seiner Zelle jederzeit von drei Wächtern beaufsichtigt wird. 

Diese Anordnung hätte laut Keding nur durch ihr Ministerium geändert werden dürfen - das sei aber nicht geschehen. 

Außerdem habe ein technischer Defekt die Wächter, die B. über die Sicherheitskameras hätten bewachen sollen, abgelenkt. B.s Fehlen bemerkte das Gefängnispersonal demnach erst nach etwa zwei Minuten. 

Eine reale Fluchtgefahr habe zu keinem Zeitpunkt bestanden, betonte Keding.

Prozess gegen Stephan B. startet im Juli

Ende Juli soll dem Attentäter von Halle der Prozess gemacht werden.
Ende Juli soll dem Attentäter von Halle der Prozess gemacht werden.  © Uli Deck/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Vorige Woche war bekannt geworden, dass der 28 Jahre alte Terrorverdächtige im Gefängnis "Roter Ochse" in Halle am 30. Mai mehrere Minuten unbeobachtet war. 

Dabei überkletterte er nach bisherigen Erkenntnissen einen Zaun und versuchte, offene Türen und Gullydeckel zu finden, ehe er wieder in Gewahrsam genommen wurde (TAG24 berichtete).

Der Vorfall ereignete sich bereits am Pfingstwochenende. Das Justizministerium erfuhr nach eigenen Angaben drei Tage später davon und machte es vorigen Mittwoch öffentlich. Der Vorfall sorgte für Bestürzung, aber auch für viele Fragen. Diese Woche werden sich unter anderem die Justizexperten des Landtags mit dem Vorfall befassen.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen zweifachen Mord und 68-fachen Mordversuch "aus einer antisemitischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Gesinnung heraus" vor. Er soll am 9. Oktober vorigen Jahres schwer bewaffnet versucht haben, in die gut besuchte Synagoge in Halle einzudringen. Als das misslang, soll er zwei Menschen in der Nähe erschossen und auf seiner Flucht mehrere Menschen verletzt haben, ehe er festgenommen wurde. 

Der Prozess gegen den Sachsen-Anhalter soll voraussichtlich Ende Juli starten.

Titelfoto: Ronny Hartmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Mehr zum Thema Justiz Leipzig:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0