Mann von Festivalgelände entführt: Schwerer Fall von Selbstjustiz?

Schwerin/Goldberg - Vor dem Landgericht Schwerin hat am Dienstag der Prozess gegen zwei Frauen und zwei Männer begonnen, denen die Staatsanwaltschaft erpresserischen Menschenraub, gefährliche Körperverletzung und schwere sexuelle Nötigung vorwirft.

Menschen stehen bei einem Musikfestival vor der Bühne. (Symbolbild)
Menschen stehen bei einem Musikfestival vor der Bühne. (Symbolbild)  © Marius Becker/dpa

Sie sollen im September 2019 einen damals 30-Jährigen von einem Festivalgelände entführt, geschlagen, gedemütigt und misshandelt haben. Die Angeklagten sind zwischen 22 und 37 Jahre alt.

Anlass für die "Selbstjustiz" war laut Anklage die unbegründete Vermutung, der Mann sei gegenüber der zwölfjährigen Tochter einer Angeklagten übergriffig geworden.

Er wurde demnach von dem Festivalgelände in Goldberg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) in die Wohnung einer Tatbeteiligten entführt. Dort habe er unter anderem Urin trinken und Zigarettenstummel essen müssen.

Erst nach rund 30 Stunden wurde der Mann den Ermittlungen zufolge freigelassen (TAG24 berichtete).

Gericht und Staatsanwaltschaft stellten den beiden mutmaßlichen Haupttätern zu Prozessbeginn Höchststrafen von fünf Jahren und fünf Monaten beziehungsweise vier Jahren und neun Monaten in Aussicht, falls sie umfangreiche Geständnisse ablegen.

Gegen die beiden anderen Angeklagten könnten Bewährungsstrafen verhängt werden.

Insgesamt waren an den Taten den Ermittlungen zufolge elf Beschuldigte beteiligt. Vier sind bereits verurteilt, gegen drei weitere beginnt der Prozess im Frühjahr.

Titelfoto: Marius Becker/dpa

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