Tausende werden in Deutschland Opfer von Stalking: Eine tödliche Gefahr

Mannheim/Berlin - Sie werden verfolgt, bedroht und mit Anrufen, Mails oder Briefen bombardiert - Tausende von Stalkingopfern erleiden solche Übergriffe jedes Jahr.

Das Landgericht Mannheim verkündet am Mittwoch sein Urteil in einem Fall, bei dem Stalking für eine 33-jährige Frau tödlich endete. (Symbolbild)
Das Landgericht Mannheim verkündet am Mittwoch sein Urteil in einem Fall, bei dem Stalking für eine 33-jährige Frau tödlich endete. (Symbolbild)  © Uwe Anspach/dpa

Für eine der Betroffenen, eine 33-Jährige aus Mannheim, endeten die Nachstellungen tödlich. Ihr Ex-Partner soll sie laut Anklage vergangenen Oktober im Treppenhaus ihrer Wohnung mit einem Hammer und einem Messer umgebracht haben. 

Er habe ihr bereits in den Monaten zuvor immer wieder nachgestellt, weil er nicht habe akzeptieren können, dass sie sich im April 2019 von ihm getrennt hatte. 

Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Strafe für Mord, die Verteidigung hat auf Totschlag plädiert. Am Mittwoch wird das Landgericht Mannheim sein Urteil verkünden.

Nach Angaben der Sicherheitsagentur SOS-Stalking in Berlin sind bundesweit rund 19.000 Menschen im Jahr von Stalking betroffen - bei einer bis zu 30-fach höheren Dunkelziffer. 

80 Prozent davon sind Frauen, wie die Gründerin der Agentur, die ehemalige Kriminalkommissarin Sandra Cegla, erläutert.

Sie schätzt, dass grob die Hälfte der jährlich 200 bis 300 Todesfälle von Frauen mit Beziehungshintergrund Endpunkt von massivem Stalking sind.

Stalking: Verheerende Folgen für Betroffene

Eine Frau steht mit einem Telefon am Fenster, vor dem ein Mann sie beobachtet (gestellte Szene).
Eine Frau steht mit einem Telefon am Fenster, vor dem ein Mann sie beobachtet (gestellte Szene).  © Angelika Warmuth/dpa

Aus Sicht von Cegla fehlt es beim Delikt Stalking zum Teil an realistischen Definitionen und konsequenter Umsetzung von Gesetzen. Das beginne bereits mit dem Begriff Stalking. 

Juristen betrachteten das beharrliche Verfolgen gegen den Willen der Betroffenen und die infolge dessen massive Einschränkung der Lebensqualität und -gestaltung des Opfers als Stalking. 

Wegen solch hoher Hürden würden auch nur ein bis drei Prozent der Beschuldigten verurteilt. Für Cegla reicht der Leidensdruck der Betroffenen aus, um den Straftatbestand zu erfüllen.

Für die Betroffenen habe das Stalking verheerende Folgen angefangen bei Scham über Alpträume, Depressionen, soziale Isolation bis hin zum Suizid. Die Analyse der Gefährdung in jedem einzelnen Fall müsse bei den polizeilichen Ermittlungen ganz oben stehen. 

Die Ansprache der Gefährder sei sehr erfolgreich. In 70 Prozent der Fälle belästigten die Täter danach ihre Opfer nicht mehr. 

Auch die Justiz müsse mit schärferen Sanktionen ein Signal setzen. Dass viele Gerichte Geldstrafen verhängten und den Spielraum von bis zu drei Jahren Haft kaum ausschöpften, wirke nicht abschreckend auf potenzielle Täter.

SOS-Stalking ist eine Agentur mit interdisziplinärem Ansatz bei Beratung und Begleitung von Stalkingopfern.

Titelfoto: Angelika Warmuth/dpa

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