Messer-Attacke von Würzburg: Von Motivfindung und Trauerbewältigung

Von Angelika Resenhoeft, Carolin Gißibl, Michael Donhauser und Roland Freund

Würzburg - Nach der tödlichen Messerattacke von Würzburg wird es am Sonntagnachmittag im Kiliansdom der Stadt eine Gedenkfeier für die Opfer geben.

Eine Vielzahl an Kerzen und zahlreiche Blumen wurden im Gedenken an die Opfer des Würzburger Attentats vor dem Woolworth-Kaufhaus abgelegt.
Eine Vielzahl an Kerzen und zahlreiche Blumen wurden im Gedenken an die Opfer des Würzburger Attentats vor dem Woolworth-Kaufhaus abgelegt.  © DPA/Karl-Josef Hillenbrand

Daran wollen neben dem katholischen Würzburger Bischof Franz Jung (55) auch Vertreter weiterer Religionen und der Öffentlichkeit teilnehmen, wie Oberbürgermeister Christian Schuchardt (52, CDU) mitteilte. Erwartet werden bei der Feier der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster (67), die evangelische Regionalbischöfin Gisela Bornowski (59) und Vertreter der muslimischen Gemeinden.

Der Kiliansdom liegt nicht weit vom Ort des Geschehens am Barbarossaplatz mitten in der Würzburger Innenstadt. Bei dem Angriff am Freitagnachmittag hatte ein Somalier drei Frauen in einem Kaufhaus getötet - Jahrgang 1939, 1972 und 1996.

Auf der Straße und in einer nahen Bank verletzte er danach laut Polizei sechs Menschen schwer und einen leicht. Zwischenzeitlich machten die Ermittler verschiedene Angaben zur Anzahl der Verletzten und deren Identität.

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Warum der 24-Jährige die Menschen angriff, die er offensichtlich gar nicht kannte, ist bisher noch nicht geklärt. Womöglich ist der Migrant psychisch krank. Die Ermittler prüfen aber auch, inwiefern islamistische Einstellungen zur Tat beigetragen haben könnten.

So werten die Beamten derzeit beispielsweise ein Handy aus, das in der Würzburger Obdachlosenunterkunft des Angreifers entdeckt worden war. "Die Auswertungen dauern einfach, erfahrungsgemäß mehrere Tage", sagte ein Ermittler der Deutschen Presse-Agentur. "Das muss jetzt alles übersetzt und bewertet werden."

Würzburgs Oberbürgermeister fordert keine pauschale Verurteilung

Polizeibeamte stehen vor der Filiale der Einzelhandelskette Woolworth, in der Innenstadt von Würzburg. Dort begann am Freitag das blutige Massaker.
Polizeibeamte stehen vor der Filiale der Einzelhandelskette Woolworth, in der Innenstadt von Würzburg. Dort begann am Freitag das blutige Massaker.  © DPA/Karl-Josef Hillenbrand

Der Somalier sitzt in Untersuchungshaft. Er war nach dem Verbrechen von der Polizei angeschossen und festgenommen worden.

"Die Verbrechen Einzelner sind aber niemals auf Bevölkerungsgruppen, Religionen, Staatsangehörigkeiten zurückzuführen", warnte Oberbürgermeister Schuchardt in einem offenen Brief an die Würzburger. "Auch wir Deutsche wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nicht pauschal verurteilt. Genauso wenig gilt dies jetzt für Somalier oder generell Geflüchtete. Dieses Schubladendenken muss ein Ende haben."

Das bayerische Landeskriminalamt übernahm in Zusammenarbeit mit der Generalstaatsanwaltschaft München die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat. Die Übergabe an die übergeordneten Behörden erfolge, weil es sich um eine "Amoklage" gehandelt habe, erklärte Würzburgs Leitender Oberstaatsanwalt Frank Gosselke.

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Der 24-Jährige war schon vor der Tat polizeibekannt. Er soll im Januar bei einem Streit in einer Obdachlosenunterkunft zu einem Messer gegriffen und damit bedroht haben, wie Behördenleiter Wolfgang Gründler (59) von der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg sagte. Worum es bei der Auseinandersetzung mit Mitbewohnern und Verwaltern ging, sagte er nicht. Verletzt worden sei niemand.

Die Polizei leitete aber ein Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung und Beleidigung ein, der Somalier kam zunächst vorübergehend in eine Psychiatrie. Das Verfahren laufe weiter, ein psychiatrisches Gutachten steht demnach noch aus.

Update, 27. Juni, 15.55 Uhr: Markus Söder gedenkt Opfern des Messerangriffs von Würzburg

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (54, CSU) gedachte der Opfer der tödlichen Messerattacke in Würzburg.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (54, CSU) gedachte der Opfer der tödlichen Messerattacke in Würzburg.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (54, CSU) und Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (52, CDU) haben den Opfern des tödlichen Messerangriffs gedacht.

"Es bleibt dieses unfassbare, dieses völlige Unverständnis, warum jemand sowas macht", sagte Söder am Sonntag in Würzburg bei einer Kranzniederlegung am Tatort. "Das sind die Momente im Leben, wo Rechtsstaat, Gesellschaft, Religion an ihre absoluten Grenzen stoßen." Der Freitag sei ein schlimmer Tag für Würzburg und Bayern gewesen.

Söder und Schuchardt sprachen zudem mit Angehörigen der Opfer. Danach wollten beide an einer Gedenkfeier im Würzburger Kiliansdom teilnehmen.

Erwartet wurden unter anderem auch Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (56, CSU), Landesinnenminister Joachim Herrmann (64, CSU) und der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster (67).

Update, 27. Juni, 18.15 Uhr: Gedenkfeier in Erinnerung an Opfer der Messerattacke in Würzburg

Minutenlanges Glockengeläut: Bei einer Trauerfeier im Würzburger Kiliansdom haben viele Menschen den Opfern des tödlichen Messerangriffs von Freitag gedacht. Das Gewaltverbrechen habe die Menschen bis ins Mark erschüttert, sagte Würzburgs Bischof Franz Jung am Sonntag.

"Die Trauer um die verlorenen Menschen wird niemals enden", sagte Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU). "Ich war vorgestern Abend gelähmt und erschüttert vor Entsetzen." Er warnte davor, andere Flüchtlinge in Sippenhaft zu nehmen für die Tat des Somaliers, dessen Motiv Ermittlern zufolge noch unklar ist.

Zum Gedenkgottesdienst waren neben Angehörigen der Opfer und Einsatzkräften zahlreiche Vertreter der Politik und des öffentliches Lebens geladen.

Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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