Benedikt XVI. "hat eindeutig gelogen": Kirchenrechtler geht mit Ex-Papst hart ins Gericht

München - Aussagen des emeritierten Papstes Benedikt XVI. (94) zu seiner Rolle im Umgang mit einem nach Bayern versetzten Missbrauchstäter sind aus Sicht des renommierten Kirchenrechtlers Thomas Schüller (61) eine klare Lüge.

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller (61) zog in der kurzfristig angesetzten ARD-Sendung "Brennpunkt" hart mit Papstes Benedikt XVI. ins Gericht.
Der Kirchenrechtler Thomas Schüller (61) zog in der kurzfristig angesetzten ARD-Sendung "Brennpunkt" hart mit Papstes Benedikt XVI. ins Gericht.  © Rolf Vennenbernd/dpa

"Er hat eindeutig gelogen", sagte Schüller am Donnerstagabend im ARD-"Brennpunkt".

Benedikt hatte immer wieder betont, an einer Sitzung im Jahr 1980 nicht teilgenommen zu haben, in der beschlossen wurde, dass ein Priester, der im Bistum Essen Jungen missbraucht hatte, nach Bayern versetzt werden soll.

Benedikt, der frühere Kardinal Joseph Ratzinger, war von 1977 bis 1982 Erzbischof von München und Freising.

Mädchen (8) auf Spielplatz missbraucht: DNA-Spur führt Polizei zum Täter
Missbrauch Mädchen (8) auf Spielplatz missbraucht: DNA-Spur führt Polizei zum Täter

Die Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW), die am Donnerstag ein aufsehenerregendes Gutachten zu Missbrauchsfällen im Erzbistum München veröffentlichte, hatte Ratzingers Angaben zu dem Fall stark angezweifelt und die Kopie eines Protokolls vorlegt, wonach Ratzinger - anders als von ihm behauptet - durchaus an der Sitzung teilgenommen hatte.

Seine Teilnahme daran sei belegt, "weil das Protokoll Dinge referiert, die nur er wissen kann aus einem Gespräch mit Papst Johannes Paul II.", betonte Schüller.

Vorwurf: Papst leugnet die Wahrheit

Dass es bei diesem Gespräch ausgerechnet um die Entziehung der Lehrerlaubnis für Ratzingers langjährigen liberalen Widersacher, den Theologen Hans Küng, ging, nannte Schüller einen "Treppenwitz der Geschichte".

"Er möchte heute nicht die Wahrheit sehen, sondern er leugnet sie und versucht, alle Verantwortung von sich zu schieben und dadurch brüskiert er die Opfer ein zweites Mal", kritisierte Schüller den emeritierten Papst.

Der heutige Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, der das Gutachten in Auftrag gegeben hatte, sei da schon weiter.

"Er hat wirklich kapiert jetzt, dass er sich auf die Seite der Opfer zu stellen hat", sagte Schüller. "Ob es zu spät kommt, werden wir sehen."

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

Mehr zum Thema Missbrauch: